20. Juni 2021 Doris Schöni 0Comment

Meine Freunde und Bekannten wissen nachgerade, dass ich Fussball alles andere als faszinierend finde. Im Augenblick steht diese Auffassung völlig schräg in der euromeisterlichen Landschaft, denn Fussball ist (nicht nur im Augenblick) die wichtigste Hauptsache von Europa.

Wie langweilig doch dieser Sport ist! Vor dem eigenen Goal bällelen einige Schweizer „Helden“ hin und her, her und hin, anstatt nach vorne zu stürmen. Ja, rennen können die elf Mannen, auch wenn es ihnen meistens schwer fällt. In der Presse und bei den Fans wird eher über Frisuren als über Goals debattiert, und auch Shaqiris goldener Lamborghini oder ähnlich wird ausführlich erwähnt. Warum sich Fussballstars eher mit Nobelkarossen verwöhnen, anstatt ihre hart verdienten (?) Millionen in eine Ausbildung für später zu investieren, wundert nicht. Ein grosses Thema ist die Verweigerung des Mitsingens der Nationalhymne von einigen Schweizer Mannschaftsmitgliedern, die es für ihre Milliönchen auch nicht fertig bringen, die Lippen zur Hymne zu bewegen. „Die sind doch alle in der Schweiz geboren …“ , ereifern sich einige, obwohl doch eigentlich das Abspielen von Nationalhymnen ein alter Zopf ist. Wäre es nicht adäquater, das Lied „money, money“ für alle Länder zu spielen? Da würden alle Fussballer mit Verve mitmachen.

Wäre der Fussball doch nicht derart wetterwenderisch. Das Schweizer Team wurde mit Vorschusslorbeeren nach Baku und Rom geschickt, nach den ersten Ausscheidungen fällt  kübelweise Häme über Mannschaft und Nationaltrainer, erwachsene Menschen analysieren, psychologisieren und rätseln, stellen Prognosen auf und lassen nach allerlei Rechnereien Hoffnungen aufkommen. Aber wehe, wenn sie es doch noch schaffen, sich für den Achtelsfinal zu qualifizieren, dann verschwinden Kritik und Häme wie von Geisterhand, und auch der Schlechteste der Mannschaft wird zum Helden. Helden wie einst Wilhelm Tell oder General Guisan. Welche Steigerung gibt es übrigens für den Helden? Auch dann wird wieder analysiert, nur andersherum. Wegen eines Goals wandelt sich das Schluchzen in Jubeln. „Wir“ haben gewonnen, aber „sie“ hätten verloren. Der Mainstream personifiziert, er braucht Helden, stellvertretenderweise.

Fussball ist Kommerz. In andern Sportarten, die abwertend „Randsportarten“ genannt werden, obwohl sie – zum Beispiel im Fechten – Einzelweltmeister hervorgebracht und viele Olympia- und Weltmeistermedaillen in der Mannschaft (Männer und Frauen) gewonnen haben, müssen die Spitzenathleten ihre Sponsoren selber suchen. „Randsportarten“ verdienten viel mehr Ansehen und Applaus als die mitttelmässigen Schweizer Fussballer. Irgend jemand hat aber darüber verfügt, welche Sportarten randständig sind. Wer ist dieser irgend jemand? Die nicht schweigende Mehrheit? Die Denkfaulen, denen es zu mühsam ist, andere Regeln als jene des Fussballs verstehen zu wollen? Oder gar „die“ Politik in Anlehnung des Ausdrucks „panem et circenses“ des römischen Dichters Juvenal?

Fussball: gähnende Langeweile. Die Jungs der Kurve sowieso lassen die Sau raus. Fussball weckt Emotionen und Aggressionen. Bewirkt auch Neid. Lässt dem Rassismus eine Ecke und ist noch heute homophob. A propos homophob: Ebenfalls sexistisch, werden doch die Schweizer Fussballerinnen belächelt. „Och Fauenfussball. Nicht zu vergleichen mit den Männern“. Und: „die sind doch alle lesbisch“.

Ein weiterer Kommentar zum Fussball ist überflüssig.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert