27. September 2022 Doris Schöni 1Comment

In der NZZ am Sonntag (25.09.22) erschien ein dreiseitiger Bericht zur Sprachkompetenz von Schülerinnen und Schülern. Namhafte Professoren und Fachleute kamen zu Wort.

Sie waren sich einig: entgegen den Pisa-Studien und weiteren Spezialisten fanden sie die Sprahkompetenz der Jugendlichen nicht schlechter als früher, lobten die Fantasie im Wort-Kreieren, vertraten den Standpunkt, die Sprache sei eben veränderlich, schienen erfreut über den Schreibeifer der jungen Menschen, zollten den direkten Reden in den Schüler-Texten Anerkennung und vertraten die Meinung, dass SMS und E-Mails in einer gelockerten Sprache verfasst werden dürfen. Dass sie im Übrigen Orthografie und Interpunktion als unwichtig bezeichneten, war dann noch das Pünktchen auf dem i dieser Euphemie. Sie gingen überhaupt nicht ein auf das fehlende Lesen bei vielen Jugendlichen, Lesen, das die Sprache formt und bereichert und deshalb unabdingbar für das Schreiben ist.

Die namhaften Professoren und Fachleute waren überzeugt, dass es in der Schule heute gelte, Schülerinnen und Schüler auf das Erwachsenenleben vorzubereiten, in dem die Sprache weniger wichtig sei als die Computerkenntnisse. Die Jugend wird also darauf gedrillt, sich gefügig in die Arbeitswelt einzufügen und andere darüber bestimmen zu lassen, was wichtig und unwichtig ist.

Zu jeder Zeit beklagten sich die Erwachsenen über die Jugend und ihre Defizite. Was sich jedoch bei Migros ereignete, lässt zumindest nachdenklich: eine junge Verkäuferin wurde gefragt, wo sich der Safran befinde. „Der was?“ „Der Safran“. Was das sei? Eben Safran. Sie hatte keine Ahnung.

One thought on “Euphemie

  1. Die heutiegen Schulen überal (nicht nur in der schweiz) legen den haubt wert auf die Realistischen facher und unterwerten die Humanistischen facher. Die Sprach kentnise sind im besten fall die meisten sprechen Sprachen ( English, Franzoesisch, Spanisch, Deutsch) dem entsprachend des Landes. „Liberal Art“, Philosophie, Soziologie, sind für dieser Meinung ganz überfluesig. Welch eine Welt steht der Jugend Vor?

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