seinen Kummer öffentlich bekannt zu geben. Es geht mir nicht darum, meine wenigen sogenannten Followern zum Weinen zu bringen, ich stelle einfach ganz nüchtrrn fest, dass ich kaum in meinem Leben so oft und heftig geweint habe. Es sind nicht nur um die unangenehmen Folgen meiner Blasenlosigkeit, die mir sehr zusetzt, obwohl es nicht gerade angenehm ist, oft um zwei Uhr morgens den Spitex-Notfall zu rufen. Dass die Blasen-Entfernung derartige Veränderungen in meiner Psyche hervorgerufen hat, ist bestürzend. Ich leide unter einer permanenten Erschöpfung, schlafe ständig ein, bin völlig hoffnungslos, verzweifelt, obwohl ich viele spannende Freunde habe und auch mit jungen Menschen im Kontakt bin. Bin ich einfach zu anspruchsvoll?
Ein Dienstverweigerer, der bei Terra Vecchia seine Strafe verbüsst, möchte nun auf Instagramm einen Bericht über mich veröffentlichen. Der studierte Lehrer arbeitet aber auch als Bäcker, Restaurator, kocht bei Terra Vecchia für die Internen, wir stimmen in vielen Bereichen überein, sind uns einig, und er ist sehr interessiert an meinem Leben.
Mich wundert, dass ich mit einigen jungen Leuten besser zurecht komme als mit Zeitgenossen. Vielleicht, weil sie noch Hoffnungen oder eben Illusionen haben und noch nicht abgestumpft und abgebrüht sind und sich ein Leben ausserhalb des Mainstreams vorstellen können. Zeitgenossen haben wohl festgestellt, dass ein Leben in der Opposition wesentlich mühsamer ist als angepasst zu sein. Obwohl ich mir dauernd im Weg stehe und mir schade, kann ich nicht anders als – wie benennt das Michael? – zu schimpfen.
Vielleicht werde ich auch extremer, weil meine Zeit beschränkt ist. Diese Tatsache, die mir bisher kaum bewusst war, ist ein Desaster.