Eine Nafurkatastrophe. Ein Flugzeugabsturz. Krieg gegen eine Zivilgesellschaft. Flüchtlingsströme. Hungersnot. Dürre. Brände.
Die halbe Welt ist bestürzt. Will helfen. Spendet Geld. Nimmt Flüchtlinge auf. Gefällt sich in der karitativen Rolle. Es tut gut, gut zu sein. Es ist ähnlich wie nach der Beichte. Der Mensch fühlt sich geläutert.
Nach und nach blättert jedoch die Empathie ab. Der persönliche Kontakt mit den Geflüchteten bekommt Ecken und Kanten. Zweifel erwachen. Die Pflicht ist erledigt. Man hat das Geld überwiesen. Und die alten Kleider überreicht. Neue Geschehnisse und Tagesereignisse überlagern den Fall von dazumal.
Der Mensch ist vergesslich. Der Mensch ist wankelmütig. Der Mensch bleibt sich und vielen anderen nicht treu. Dem Menschen geht es in erster Linie um sich selbst. Der Mensch weist einen tiefen Sättigungsgrad auf. Der Mensch mag negative Nachrichten nicht. Der Mensch möchte seine Ruhe und etwas Spass. Der grösste Wunsch des Menschen ist, glücklich zu sein, auch wenn er nicht genau weiss, was Glück wirklich bedeutet. Er verwechselt Zufriedenheit mit Glück.
Berücksichtigt man dieses Menschsein, so verwundert nicht, dass er die karitative Rolle bald abstreift, die aufgenommenen Flüchtlinge so schnell als möglich weitergibt und bereut, so viele Kleider gespendet zu haben. Dieser Mensch verdrängt oder relativisiert, welcher Krieg wirklich tobt und dass Putin Hitler spielt. Corona hat ihn gebeutelt, obwohl er unangesteckt blieb, und nun ist er erstarrt vor Angst, im Winter zwei Pullover anziehen zu müssen. Seine Lebensqualität ist „Zunderobsi“ und er spürt, dass er dringend einen Psychiater benötigt. Ein Burnout droht, wie soll er sich da an die Zeit mit den Flüchtlingen erinnern?
Es ist doch immer dasselbe mit den Menschen … .