Die Türen der Buchhandlungen sind geschlossen. Auch die Bibliotheken sind verriegelt. Und in den Grossverteilern und Kiosken sind die Regale mit den Büchern verklebt. BLICK ist jedoch tagtäglich erhältlich. Die NZZ glücklicherweise ebenfalls.
Vor allem Menschen über 65 Jahre wurden dekretiert, zu Hause auszuharren. Ohne Bücher? Gekaufte oder ausgeliehene? Aber natürlich, man kann sie ja bei Amazon bestellen. Falls man einen Computer hat. Wieviel Prozent der Rentner besitzt einen Computer? Und ist man jetzt nicht solidarisch mit den Miteidgenossen? Dann würde man nicht bei Amazon online bestellen, sondern eine einheimische Buchhandlung bevorzugen.
Das Problem liegt allerdings anderswo. Nämlich im Missbehagen Büchern gegenüber. Man liest ja nicht mehr. Lesen ist zum intellektuellen Müssiggang verkommen. Man liest nicht mehr, man schaut. Aufs Handy, auf den Bildschirm und was es sonst noch alles Elektronisches gibt. Das Bücherlesenmissbehagen zeigt sich im schriftlichen Ausdruck der Schüler, Lehrlinge und selbst Gymnasiasten. Sie schreiben (fehlerhaften) Dialekt. Dass Bücherlesen das Schreiben fördert und das Vokabular vervielfacht, scheint den Deutschlehrern unbekannt zu sein. Sie haben sich bei ihren Schülern angebiedert.
Man könnte erwidern, dass Bücher in einem Segment mit anderen Produkten enthalten seien. Das ist jedoch keine Rechtfertigung. Man hätte sie dort entfernen müssen. Buchhandlungen und Bibliotheken wären an dieselben Vorschriften gebunden worden, wie die Grossverteiler. Bertold Brechts “ Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“, könnte man umwandeln in „Erst kommt das Fressen, dann kommt das Buch“.