23. Dezember 2019 Doris Schöni 0Comment

„Gnothi seauton“ ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi, als deren Urheber Chilon von Sparta, einer der „Sieben Weisen“, angesehen wird. Die Forderung wird im antiken griechischen Denken dem Gott Apollon zugeschrieben.

Das Orakel von Delphi war eine Weissagungsstätte des antiken Griechenlands. Der Überlieferung zufolge sollen am Eingang des Tempels von Delphi die Inschrifte „Erkenne dich selbst“ angebracht worden sein.
„Wie in einem See schwimmen viele Menschen auch in ihrem Leben oft nur an der Ober­fläche, ohne dessen tiefen Grund kennenzulernen. Was diesen letztlich ausmacht, begreifen sie nicht. Sich selbst auf den Grund zu kommen, ist ein lebens­langer Prozess. Dieser Grund des Menschen ist letztlich ein Ge­heimnis, dem man sich aber nähern kann.“ (Hans-Karl Seeger, Seelsorger und Autor).

„„ERKENNE DICH SELBST“: Denn erst Selbsterkenntnis macht unabhängiges Denken möglich. WER nur das wiederholt, was andere sagen bzw. wiederholt haben, denkt nicht. Er ist unwissend, manipulierbar weil unwissend. WER keine Fragen stellt bleibt unwissend und dumm. Wenn wir uns etwas als vollkommen vorstellen , muss es noch lange nicht existieren. Ausserdem sollte sich die „Wahrheit“ nicht nur auf das begründen, was der Verstand als richtig erkennt. Denn der kann schliesslich auch irren.

Die moralisch „Guten“ können oft die „Dummen“ sein, denn manchmal ist es klüger, ein moralisches Gesetz nicht einzuhalten.Auch erhebt sich die Befürwortung der Selbstötung über alle Moralgesetze, die vom Leben abhängig sind und damit nichtig werden. Camus sieht die Selbsttötung sogar als einziges ernsthaftes Problem der Philosophie.“

Alle Zitate aus: Alexandra Baas, Erkenne Dich selbst – Abenteuer Philosophie, München 1999.

«Erkenne dich selbst» ist keine komplizierte, wissenschaftliche Forderung nach Erkenntnis, sondern wohl eher die einfache Aufforderung: Erkenne, dass du ein Mensch bist. Das heisst: kein Gott. Sterblich, nicht unsterblich. Gebrechlich, nicht unverletzlich. Fehlerhaft, nicht vollkommen. Ohnmächtig, nicht allmächtig. Unwissend, nicht allwissend.

Anders formuliert: Erkenne die Bedingungen, die Möglichkeiten und Grenzen, mit denen du zu leben hast; nicht nur du, sondern auch jeder andere. Das «Ich» wird auf diese Weise in seinen Ansprüchen gemässigt: Dies dürfte die ursprüngliche Bedeutung des delphischen Spruches sein. Diese Selbsterkenntnis führt nicht zu einem auftrumpfenden, eher zu einem demütigen Selbstverhältnis, zur Einsicht in die Schwäche, Kleinheit und manchmal auch Erbärmlichkeit des «Ich». Ob wir damit leben können?“ (Wilhelm Schmid, Schönes Leben? Einführung in die Lebenskunst. Suhrkamp-Verlag, 2000.)

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