Wilfred Edward Salter Owen MC (1893-1918) war ein britischer Dichter und Soldat. Er gilt als der bedeutendste Zeitzeuge des Ersten Weltkriegs in der englischen Literatur. Einige seiner heute bekanntesten Werke wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.
Das Gedicht „Dulce et decorum est pro patria mori“ stammt ursprünglich vom römischen Dichter Horaz (65-8 v. Chr.)
Dulce et Decorum est
Zweifach gebeugt wie alte Bettler unter ihrem Sack,
X-beinig, hustend wie alte Weiber, fluchten wir uns durch Schlamm,
Bis wir den herumgeisternden Leuchtkugeln den Rücken zuwandten
Und unserer fernen Ruhe entgegentrotteten.
Männer marschierten im Schlaf. Viele hatten ihre Stiefel verloren
Aber hinkten auf blutigen Sohlen weiter. Alle wurden lahm, alle blind,
Trunken von Erschöpfung, taub selbst für das Heulen
Der fehlgegangenen Granaten, die hinter uns einschlugen.
Gas! GAS! Schnell, Jungs! – eine ekstatische Fummelei,
Um die plumpen Helme rechtzeitig aufzusetzen.
Aber jemand schrie da noch und taumelte
Und zappelte wie ein von Feuer oder Ätzkalk Verbrannter.
Undeutlich, durch die beschlagene Scheibe und trübes grünes Licht
Wie in einem grünen Meer, sah ich ihn ertrinken.
In all meinen Träumen, vor meinen hilflosen Augen,
Taucht er auf mich zu, flackernd, würgend, ertrinkend.
Wenn auch du in erdrückenden Träumen liefest
Hinter dem Wagen, in den wir ihn warfen,
Und die verdrehten weißen Augen in seinem Gesicht sähest,
In seinem hängenden Gesicht, wie das eines Teufels, der der Sünde müde ist,
Wenn du hören könntest, wie bei jedem Stoß das Blut
Gurgelnd aus seinen schaumgefüllten Lungen läuft,
Ekelerregend wie der Krebs, bitter wie das Wiederkäuen
Von Auswurf, unheilbare Wunden auf unschuldigen Zungen,
Mein Freund, du erzähltest nicht mit so großer Lust
Kindern, die nach einem verzweifelten Ruhmesglanz dürsten,
Die alte Lüge: Dulce et decorum est
Pro patria mori.
Es sei ehrenvoll, für das Vaterland zu sterben, entlarvt Owen als „alte Lüge“. Was bedeutet es,“ehrenvoll zu sterben“? Gilt diese Wendung nur für einen Krieg? Das Vaterland müsste auch noch definiert werden. Für den einen ist es das Land seiner Geburt, für den anderen das Land, in dem er am längsten lebte. Owens Gedicht richtet sich gegen kriegerische Auseinandersetzungen, es ist ein Antikriegsgedicht. Der Dichter wurde genau eine Woche vor dem Waffenstillstand in Ors am Canal de la Sambre à l’Oise getötet.
Was ist überhaupt ein „ehrenvoller“ Tod? Notabiliäten werden bei ihren Beerdigungen meist mit Ehre überschüttet. „Ehre“ ist wieder ein Substantiv mit vielen Facetten. Google definiert sie mit „Ansehen aufgrund offenbaren oder vorausgesetzten (besonders sittlichen) Wertes; Wertschätzung durch andere Menschen“. Etymologisch stammt das Wort vom mittelhochdeutschen ēre „Ruhm“ von althochdeutsch ēra „Ehrfurcht, Verehrung“ Synonyme: Ansehen, Ehrgefühl, Selbstgefühl, Stolz, Wertgefühl, Würde. In der heutigen Jugend- und Internetsprache wird der Spruch „die Ehre genommen“ benützt, was bedeutet dass jemand einem anderen seine Ehre genommen hat. Dies geschieht, wenn jemand sich zum eigenen Nachteil dominieren lässt oder jemand sich respektlos, anstandslos oder würdelos behandeln lässt, ohne sich zu wehren.
Schon die allgemeine Bedeutung des Begriffs „Ehre“ hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. „Jede Epoche, jede Kultur bildet ihr eigenes, jeweils anders akzentuiertes Verhältnis zu den Sachverhalten aus, auf die sich der Ausdruck Ehre bezieht“ (Vogt/Zingerle 1994: 9). „Die geschichtlich folgenreichsten Ehre-Normen wurden zusammen mit den Lebensführungsidealen des europäischen Adels entwickelt, und zwar in der Epoche, die von den Anfängen des Lehensfeudalismus bis hin zum Höhepunkt ritterlich-höfischer Kultur reicht“ (Vogt/Zingerle 1994: 20). Laut Max Weber kann die Ordnung einer Gesellschaft nach dem Prinzip einer ständischen Gliederung erklärt werden. Demnach ist es das Bewusstsein, einem bestimmten Stand anzugehören und sich von einem anderen zu unterscheiden. Dieses ständische Selbstverständnis wird begründet durch eine spezifische Ehre, die ein bestimmtes Verhalten zumutet und angemessenes, ehrbares Handeln durch Achtung belohnt (vgl. Abels Band 1, 2007: 316f.). Die ursprüngliche Sozialform, von der einst die ausgeprägte Haltung zur Ehre bestimmt und gelebt wurde, – der Stand – existiert nicht mehr. Ebendiese Standesehre hat sich zum Sozialprestige gewandelt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebten die Gesellschaften rasche technisch-ökonomische Umwälzungen und organisierten ihre Sozialbeziehungen nach sachlichen Interessen und Marktgesichtspunkten. Wertsetzungen höherer Lebensform sind transformiert worden in solche der allgemeinen Würde, die durch die Gruppe kontrolliert und als Rechtschaffenheit anerkannt wird (vgl. Vogt/Zingerle 1994: 9f.). Als Würde oder Menschenwürde bezeichnet man einen sozialen, inneren, sittlichen Wert der Persönlichkeit und auch das Verhalten in dem Wissen um diesen Wert (Anja Kegel, Die Ehre im Wandel der Zeit, 2008).
Im Wertesystem der NS-Idealogie nahm die Ehre eine beherrschende Stellung ein, was sich etwa aus dem Leitspruch der „SS Meine Ehre heisst Treue“ ablesen lässt. Der NS-Ideologe Alfred Rosenberg erklärte: „Die Idee der Ehre … wird für uns Anfang und Ende unseres ganzen Denkens und Handelns.“ Als ausschlaggebendes Kriterium für die Ehre des Individuums galt die Rassenzugehörigkeit: „Ehre ist bedingt durch die Art, durch das Blut“. (Meyers Lexikon, 1937). Diese Auffassung der Ehre spiegelte sich in der nationalsozialistischen Gesetzgebung und Rechtsprechung wider. So trug eines der Nürnberger Gesetze von 1935 den Titel Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. Der Volksgerichtshof gelangte am 18. März 1942 in einer Urteilsbegründung zu dem Schluss: „Die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte … könnte nur dann einen Sinn und Zweck haben, wenn der Angeklagte die … Rechte tatsächlich besitzen würde. Dies ist aber bei einem Juden nicht der Fall. … Ein Jude … besitzt nach der Überzeugung des ganzen deutschen Volkes überhaupt keine Ehre“.
Prof. Dr. Wolfgang Wohlers vom Rechtswissenschaftlichen Institut der Universität Zürich schreibt in seiner Publikation „Ehrendelikte“: „Unter Ehre versteht man den Ruf, ein ehrbarer Mensch zu sein, d. h., sich so zu benehmen, wie nach allgemeiner Anschauung ein charakterlich anständiger Mensch sich zu verhalten pflegt“ sowie „das Gefühl, ein ehrbarer Mensch… zu sein“. Weiter: „Die Ehre sei verletzt, wenn jemand allgemein eines Mangels an Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit oder sonst einer Eigenschaft bezichtigt (wird), die geeignet wäre, ihn als Mensch verächtlich zu machen oder seinen Charakter in ein ungünstiges Licht zu rücken.“
Ehre ist Ehre und nicht Ehre: Der Ehrbegriff unterliegt einem zeitlichen, sprachlichen und politischen Wandel.
Ehrenvoll mein Leben zugeben bedeutet für mich meinen Ideale zu bekämpfen bis zum Tod. Wen ich laut meine Ideale nicht leben kann in der Gesellschaft oder meinem wohn Gegend oder Land so muss ich die passende Gesellschaft,Gegend oder Land suchen und dorthin ausziehen.