Die Schimpansin Lisou besucht ihre Busenfreundin Marlène in ihrem Haus am Fluss. „Komm“, ruft sie, „gehen wir shoppen. Überall werden Rabatte gewährt“. Marlène hüpft von einem Bein aufs andere, schlägt einige Überschläge, denn sie freut sich sehr, shoppen z,u gehen. „Denn,“ so lacht sie, „ich brauche dringend eine Tasche Louis Vuitton“.
Die beiden Freundinnen hüpfen los. Sie sind bester Laune und stupfen die Vorübergehenden am Schwanz oder an den Ohren, überdreht und unternehmungslustig wie sie sind. Lisou packt einen Hund am Schwanz, dieser dreht sich wütend um und knurrt bedrohlich. „Der ist toxisch“, bemerkt sie und verabreicht dem Hund einen Tritt ins Hinterteil. Der Hund rast hinter ihr her, doch die Schimpansinnen klettern schnell auf einen Tulpenbaum und lachen den Hund aus der Höhe her aus. Wütend umkreist der Hund den Baum, vergebens. Nachdem er verschwunden ist. schwingen sie sich vom Tulpenbaum und eilen auf die Shoppingmall zu. „Erledigen wir zuerst die Non-Food-Einkäufe?“ erkundigt sich Lisou. Marlène antwortet nicht, sie stürmt auf einen Taschenladen zu und das obligate „oh my God“ lässt nicht auf sich warten.
Ein Geschäft, prall gefüllt mit Louis Vuitton-Kulttaschen. „Sind sie echt?“ fragt Milène, „oder sind es fakes?“ Lisou heiser: “ „Sie sind antik, krass“. „Krass“, echot Marlène und setzt sich in einen futuristischen Fauteuil. Ein Verkäufer erscheint und fragt streng: „Habt ihr überhaupt Geld genug für eine Tasche von Louis Vuitton“? Die Schimpansenmädchen mustern den Verkäufer von Kopf zu Fuss und höhnen: „Du bist echt mega uncool. Was hast du von unserem finanziellen Hintergrund geschnallt? Krass nothing, du Schwuchtel“. Der Verkäufer weicht erschrocken zurück. „Soll ich die Schmier rufen und sagen, Diebinnen im Geschäft zu haben“? „Du sagst, wir seien bloody Klauerinnen? Wir erschlagen dich mit unseren Tausender Nötli“ und sie zerren tatsächlich einige Tausender aus ihren BHs. Der Verkäufer gibt klein bei: „O.K. girls. Schaut euch um“.
Zwitschernd wie Vögel erkunden Lisou und Marlène den Taschenshop und stossen kleine, spitze Schreie des Erzückens aus. Binnen weniger als einer halben Stunde haben beide ihre Traumtaschen ausgewählt. Lisou eine grüne, Marlène eine rote. Sie bezahlen an der Kasse, ohne den Verkäufer eines Blickes zu würdigen, mit tausend Frankenscheine aus ihren BHs. Die Taschen werden kunstvoll eingepackt. Sobald sie den Laden verlassen haben, reissen sie das kunstvolle Einwickelpapier ab. In Marlènes Tasche befindet sich ein handschriftlicher Brief. Es ist ein Liebesbrief – unterschrieben von einer Penelope – voller Hass und Empörung – über eine zurückgewiesene, also ungeteilte Liebe. Auf dem Briefumschlag ist der Name des allfälligen Empfängers in Druckschrift vermerkt. Marlènes Nackenhaare sträuben sich. Es handelt sich um den Namen ihres Freundes, den sie in absehbarer Zeit heiraten wird. Wütend stopft sie den Brief in die Tasche zurück. „Diese Tasche will ich nicht“, ruft sie aus. „Das ist eine verwunschene Tasche, die gebe ich zurück“. „Wirf doch einfach diese bloody Epistel in den nächsten Kübel“, rät Lisou. Marlène jedoch bleibt stur: „Nein, ich will diese Tasche nicht“. „Aber“, unterbricht sie Lisou, „es ist doch eine Louis Vuitton-Tasche“. „Und“. Das „und“ sprengt Zeit und Raum und oszilliert zwiswchen den beiden Freundinnen. „Dann gebe ich meine ebenfalls zurück“, beschliesst Lisou. „Louis Vuitton oder nicht. Ist doch mega-wurst“. Sie kehren in den Taschenladen zurück. Der Verkäufer erwartet sie bereits. „Eure Tausender-Nötli – Fakes. Wärt ihr nicht gekommen, hätte ich die Polizei gerufen. Dumme Girlies“. Er händigt ihnen ihre falschen Tausender-Nötli aus. Sie händigen ihm die Taschen zurück. „Auch sie sind Fakes“, moniert Marlène. „Nie wieder Louis Vuitton-Taschen. Nie wieder“.