24. Juli 2020 Doris Schöni 0Comment

Seitdem das Fahrrad zur Krone der Schöpfung erhoben wurde, geriet das mit Benzin betriebene Auto ins Abseits. Radfahrer schleudern einem die Faust auf die Karosserie, wenn sie gerade schlechter Laune sind und stossen wüste Beschimpfungen aus, sollte man ihnen ein Zentimeterchen zu nahe kommen. CO2 verursachende Autolenker wurden derart eingeschüchtert, dass sie wie Velos autofahren, das heisst: Im Schneckentempo.

In Stadt und Agglomerationen wurden still und heimlich die Geschwindigkeiten massiv gesenkt, als ob langsam fahrende Automobile weniger Schadstoffe ausstossen und der Verkehr damit leiser würde. Es gibt kaum noch Strassen, auf denen schneller gefahren werden darf als mit 20, 30 oder 40 Kilometern. Diese Reduktionen und die Einschüchterungen der Fahrer haben unliebsame Folgen. Das jeweilige Dekret, also Tempo 20, 30 oder 40, wird nicht nur sklavisch eingehalten, sondern untertrieben. Die Berner sind ja nachgerade bekannt für ihre Behäbigkeit ganz nach dem Ausspruch „Nume nid gschprängt“. Besonders viele Senioren verhalten sich grundsätzlich gesetzeskonform und scheinen auch Horror vor Beulen zu haben. Autobeulen sind verpönt hierzulande, etwa so verpönt wie Unkraut im Garten. Abgesehen davon: Was denken auch die Nachbaren über Beulen?

So zuckeln die Autos mit 10 für 20, 20 für 30 und 25 für 40 durch die Gegend, ihre Lenker fühlen sich damit in Sicherheit, sie riskieren weder Busse noch Beule. Sie sehen ja nicht, dass die Person hinter ihnen in Eile ist und sich grün und blau über diese Zuckelei ärgert. Die Frage ist: Welchen Sinn ergibt die für Senioren alle 2 Jahre obligatorische ärztliche Prüfung von Augen und Ohren, das Finden der Nase und das Auf-dem-Strich-Gehen? Sie ändert nichts an der Langsamkeit und am Mangel von Reaktionen. Ein scharfes Auge und ein feines Gehör haben nichts mit Reaktionen zu tun. Das Gesetz sollte umdenken: Anstatt die Frage eines Arztes zu beantworten, ob man etwa dement sei, sollten die Reaktionen der Verkehrsteilnehmer geprüft und trainiert werden. Haben Sie je in Beirut ein Auto chauffiert? Eben.

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