Kennen Sie Paragrafenreiter? Es existieren viele Synonyme, zum Beispiel: Rabulist, Pedant, Bürokrat, Besserwisser, Spiessbürger, Prinzipienreiter, Aktenkrämer, Federfuchser, etc. Trefflich charakterisiert die Autorin Raphaela Häuser diese sich in psychischem Ungleichgewicht befindlichen menschlichen Spezies: „Der Paragrafenreiter nimmt es ganz genau. Die Paragrafen des Gesetzes sind ihm unglaublich wichtig. Er ist ein Bürokrat und Besserwisser. Und er achtet ganz genau darauf, dass seine Mitmenschen sich ebenso wie er an die Buchstaben des Gesetzes halten. Glas in die Mülltonne werfen? Für den Paragrafenreiter ein grosses Verbrechen. Grillieren bei offenem Feuer im Park? Sie müssen mit einer Anzeige rechnen! Bei Rot über die Ampel gehen, selbst wenn kein Auto in der Nähe ist? Der Paragrafenreiter wird Sie auf Ihr unerlaubtes Verhalten hinweisen. Was aber macht er selbst als Autofahrer, wenn ein Fussgänger bei roter Ampel über die Strasse läuft? Gut möglich, dass er dann einfach weiterfährt, denn schliesslich hat er ja Grün!“ Ein anderer Autor beschreibt den Paragrafenreiter folgendermassen: „Und dann ist er eben jemand, der an gegebenen Formen, Regeln und Ansichten festhält und die Freiheit des Geistes nicht mehr besitzt und bei anderen nicht mehr zulässt.“ Das erinnert an Friedrich Dürrenmatts Rede „Die Schweiz – ein Gefängnis“ zur Verleihung des Gottlieb-Duttweilers-Preises am 22. November 1990 an Vaclav Havel, in welcher der Schriftsteller die Schweizer als Gefängnisaufseher ihrer selbst schildert.
Die Paragrafenreiter ähneln einer Schlange, die sich in den Schwanz beisst. Sie bewerten Paragrafen, Regeln, Gesetze und Vorschriften höher als den Menschen. Da sie feste Strukturen brauchen, um sich nicht zu verlieren, verbarrikadieren sie sich hinter Paragrafen, sprich Regeln, Gesetzen und Vorschriften. Mit dem Verlust des freien Geistes würgen sie bei sich und den andern jede Spontaneität und Kreativität ab. Hüten Sie sich daher vor Paragrafenreitern … .