(BUND, Freitag, 8. Juni: „30 Sekunden bis zur Meinung“ von Christof Gertsch)
Haben Sie nicht beim Lesen des BUND-Artikels über Erich Hess ein Déjà-Vu? Erinnert Sie sein Porträt von nicht irgendwie an Markus Ruf, Stadtrat, Mitglied des Grossen Rats und während 14 Jahren des Nationalrats in der Partei der Schweizer Demokraten? Auch Ruf hatte eine ausländische Freundin, obwohl er eine nationalistische Politik betrieb. In den Jahren seines politischen Wirkens (1982-1999) war Markus Ruf eher eine Ausnahmeerscheinung. Und das ist einer der Unterschiede zu Erich Hess: Der ehemalige Lastwagenchauffeur geniesst eine grosse Medienpräsenz und kommt dabei immer wieder zu Wort.
Warum? Ist der Populismus salonfähig geworden? Verdient Hess solch eine grosse Popularität, weil er die weibliche Bedienung „Schätzeli“ nennt? Ist ein Benehmen dieser Art „courant normal“ geworden? Ist er derart beliebt, weil er spricht, wie ihm sein Schnabel gewachsen ist? Kann sich ein Grossteil der Bevölkerung mit ihm identifizieren?
Erich Hess, der sich vom Lastwagenchauffeur zum Immobilienhändler gemausert hat, ist ein unverbrüchlicher Vertreter der SVP. Die Bekämpfung der Reitschule ist sein Lebensziel, warum er die alternative Kulturinstitution – die nicht über jeden Zweifel erhaben ist – zu seinem Erzfeind erkoren hat, interessiert nicht. Wenn der 37-Jährige vehement behauptet, kein Nationalsozialist zu sein, da er ja bestimmt kein Sozialist sei, hat er eine gundlegende Geschichtslektion nicht verstanden.