26. August 2018 Doris Schöni 0Comment

„Die Liebe ist eine Himmelsmacht“, heisst es im „Zigeunerbaron“ von Johann Strauss. Dass sie vielfach eher eine Höllenmacht ist, zeigen erkleckliche Beispiele aus der Literatur und der näheren Umgebung.

Der oder die Liebende, also jener oder jene, die in einer Liebe völlig aufgeht, einer Liebe, die unerwidert bleibt, leidet. Er oder sie gibt und gibt und gibt und steht schliesslich mit leeren Hosentaschen da. Er oder sie gehört zu den seligen Gebern, die nicht daran denken, etwas zurück zu bekommen. Obwohl die Apostelgeschichte 20,35 die frommen Christen lehrt, dass geben seliger ist als nehmen, muss an diesem Bibelwort gezweifelt werden. In der materialistischen heutigen Zeit wird das Geben oft mit Schwäche assoziiert. Wer gibt, muss zuerst genommen haben, nicht umgekehrt.

Dazu ein eben erfundenes Märchen: Eine schöne böse Frau und ein schöner lieber Mann kommen zusammen. Die böse Frau quält den lieben Mann bis aufs Blut. Sie fordert jeden Tag teuren Schmuck, neue Kleider, ein grösseres Haus, ein schöneres Auto, Möbel aus dem Auktionshaus und Bilder von internationalen Kunstmessen. Der liebe Mann erfüllt alle ihre Wünsche und geht bankrott. Nun ist er finanziell entblösst, also verlässt sie ihn. Seine Kinder verachten ihn und sein Arbeitgeber versetzt ihn auf einen untergeordneten Posten. Seine bislang treuen Freunde verspotten ihn und erklären ihm klipp und klar, er sei ein unbelehrbarer Romantiker und ein sentimentaler Pubertierender, kurz: Ein Trottel.

Der liebe Mann, der seine Schönheit mittlerweile eingebüsst hat, sitzt in seinem grossen Haus inmitten von Möbeln aus dem Auktionshaus und Bildern von internationalen Kunstmessen. Der Bankrott macht ihm weniger zu schaffen als die Frau, die ihn  verlassen hat. Die unerwiderte Liebe schmerzt wie hundert glühende Stiche.

Ja, und wie geht es weiter? Fortsetzung folgt.

 

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