29. Oktober 2018 Doris Schöni 0Comment

Rein zufällig und für etwa 20 Minuten sah ich zum ersten Mal die Sendung Bachelor auf TV Plus 3. Aus Altersgründen möglicherweise liess mich die Sendung erschauern. Nicht aus Prüdheit, sondern wegen der Niveaulosigkeit der Sendung, die sexistischer nicht sein könnte.

Da steht so ein Trostpreis von einem Bachelor vor seinen „Damen“ und bestimmt, welche eine Rose bekommt und welche nicht. Und da warten bibbernd etwa zwei Dutzend junge Frauen auf das Verdikt des Trostpreises. Alle diese Frauen haben einen Beruf und scheinen mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Der Kampf um den Mann, das heisst, den Trostpreis, Ist unerbittlich. Jede will ihn abholen, koste es, was es wolle. Sie intrigieren querbeet und sind ein miserables Beispiel für junge Mädchen, welche diese Sendung verfolgen: Die Solidarität unter Frauen wird mit Füssen getreten, als gäbe es nur ein Ziel im weiblichen Leben, nämlich den „besten“ Mann zu ergattern, wer immer das sein sollte.

Die Frauen sehen sich in einer bestimmten Weise ähnlich: Sie sind gross, langbeinig, langhaarig und – fast alle – sind tätowiert (natürlich ist es auch der Bachelor). Und wie tätowiert: Auf Arme, Nacken, Décolleté, Rücken, Beine, Füsse und selbst zwischen den Brüsten liessen sie sich stechen und verzieren mit Blumenranken, mystischen Zeichen, Symbolen und Worten, ja ganzen Sätzen. An was denken diese Frauen, wenn sie sich zu Tattoos entschliessen? Wissen sie denn nicht, dass sich die Haut mit der Zeit verändert, dass sie schlaff und schlaffer wird und sich mit ihr die Tattoos ebenfalls verändern? Und wie sehen diese „Damen“ in dreissig, vierzig Jahren aus? Auch wenn sie den Trostpreis, den Bachelor, abserviert haben, mittlerweile aber mit einem anderen Mann verheiratet und Mamis sind, bleiben ihre Tätowierungen, sie sind dann verzogen, verrunzelt, hutzlig und welk. Keine Augenweide mehr. Es ist zu hoffen, dass es zu jener Zeit medizinische Methoden erlauben werden, die Tattoos schmerzlos und nachhaltig zu entfernen.

Und noch etwas ist anstössig in dieser Sendung, nämlich die Untertänigkeit der „Damen“. Ob es nun gespielt ist oder nicht: Jede himmelt den Bachelor an, schmiegt sich an ihn, macht ihm schöne Augen, stellt die Brust heraus und zieht den Bauch ein, stöckelt mit schwingendem Po und aufgerissenen Augen auf ihn zu. Keine lacht über ihn, wenn er blöde Sprüche klopft, keine klopft ihm auf die Finger, wenn er sie berührt, keine protestiert, wenn er sie mit küchenpsychologischen Bemerkungen blossstellt, aber alle, alle weinen, wenn sie eine oder auch keine Rose erhalten haben.

Niveaulos, sexistisch, untertänig. Kein wirkliches Bild von jungen Frauen und Männern der heutigen Zeit. Ja, es ist elitär: In Unis sieht man junge Menschen, die in partnerschaftlichem Dialog beisammen sitzen, die diskutieren, zusammen arbeiten, Bücher austauschen, ein Getränk teilen und dennoch fröhlich sind. Der Bachelor institutionalisiert den Machtkampf zwischen Frauen und Männern, einen Machtkampf, den es in dieser Art – wenigstens bei jungen Leuten – nicht mehr gibt.

Quizfrage: Wer steht hinter dieser Sendung? u.a.w.g.

 

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