„Frische Güggeli“ sind in Rubigen, Bern-Egghölzli, Worb und vielen anderen Standplätzen der Agglomeration zu kaufen. Sie seien lecker, wird berichtet. Trotz ihrer grünen Tarnung. Tarnung? Ja. Um den Bedürfnissen der sich mehrenden Vegetarier und Veganer zu entsprechen, taucht der Hühnerbrätler die weiss-rötlichen Hühnerleichen in einen Sud von Spinat, Brennesseln und Lebensmittelfarben. Er kennt die Schwächen der grünen Pappenheimer, die es trotz Neigung zur Kasteiung gelüstet, in ein Hühnerbein, im Aldi-Deutsch Hühnerschlegel bezeichnet, zu beissen, um sich zu spüren. In ihrem Fanatismus füttern Vegetarier und Veganer ihre Hunde mit Grünzeug, das für ihre langen Därme ungesund ist. Manche von ihnen färben Pelzsträhnen ihrer Lieblinge grün, um sie öffentlich als Fleischverachter zu deklarieren. Diesen bleibt nichts anderes übrig, als sich bei den Nachbaren das nötige Protein zu besorgen oder Regenwürmer aus und Nacktschnecken von den Wiesen zu buddeln.
Und da Vegetarier und Veganer ihre ursprünglichen Gelüste weiterhin befriedigen möchten, gibt es Tofu-Bratwürste, Seitan-Schnitzel, Gemüse-Käse, Gersten-Milch, Kichererbsen-Hotdogs, Grünkohl-Eier und viele andere Substitute, die aussehen als ob. Alles sieht heute aus als ob. Auch Vegetarier und Veganer sehen aus als ob. In ihren Kleidern aus Leder oder Karton, ihren Plastikschuhen, den wollenen Kopfbedeckungen und den gedrehten Trinkhörnern, aus denen sie Bier zu trinken pflegen. Ihre Farbe, die Farbe grün, hundert Prozent ökologisch zusammengebraut, nutzen sie als Waffe. Verschiedene Strecken der Autobahn haben sie mit einer giftgrünen, glitschigen Farbe besprüht, so dass die Pendler morgens früh um sechs wie Putschautos zusammenkrachen. Unter den Verletzten befinden sich auch Vegetarier und Veganer, was die Farbe Versprühenden ehrlich, was sonst, bedauern. Die Zahl an Vegetariern und Veganern ist derart gewachsen, dass Feinde als Freunde und Freunde als Feinde nicht mehr auseinander gehalten werden können. Die Lage ist ernst, erklären die Grünsten der Grünen, Opfer sind nicht zu verhindern.
Die „frischen Güggeli“ werden noch immer in Rubigen, Bern-Egghölzli, Worb und vielen anderen Standplätzen der Agglomeration angeboten. Quer über die Plakate, die auf den Güggelistand aufmerksam machen, ist in dunkelgrüner Farbe „grün“ geschrieben. Das weckt die Neugierde der lokalen Bevölkerung. Hausfrauen, Pensionierte und Schulkinder eilen zum Güggeli-Stand, um das als grün bezeichnete Bratgut zu begaffen. Ein wildes Stimmengewirr erhebt sich, so dass der Strom ausfällt und das Bräteln abrupt gestoppt wird. Der Chef-Brätler verwirft die Hände und ruft die Meute zum Verschwinden auf. Keiner verlässt die Szene, besonders, als die Pressetante der lokalen Zeitung auftaucht und wie wild fotografiert, so dass jeder hofft, sich in der Zeitung abgebildet bewundern zu können. Jene, deren Konterfei nicht in der Zeitung erscheint, beklagen sich dann in Leserbriefen im Lokalblatt, die Pressetante habe es versäumt, die Bewilligung zur Veröffentlichung der Bilder einzuholen.
Unter den Leserbriefen findet sich ein Ernährungsberater, der die Vegetarier und Veganer vor Proteinmangel warnt, falls sie weiterhin davon absehen, Eier, Fisch und Fleisch zu essen. Hülsenfrüchte, argumentiert er, ersetzen diesen Mangel nicht. Darauf folgt nicht nur ein Run auf die grünen Güggeli, sondern auch ein nicht zu kontrollierendes Hamstern von Protein-Broten, Protein-Joghurts, Protein-Puddings, denn die Menschen dieser Zeit wollen um jeden Preis gesund sterben.
Während der Protein-Affinitätswelle geschieht aber ein Phänomen, von dem die nationalen und internationalen Medien berichten. Das Federvieh schlüpft neu grün aus den grünen Eiern. Die Menschen spekulieren mit grüner Magie, man interpretiert dieses Phänomen als Menetekel und die anti-grün denkenden und handelnden Menschen wittern eine Verschwörung. Die grünen Hühner verdunkeln in Schwärmen die Pisten des Flughafens Belpmoos,was zu Verspätungen der Flüge führt. Den grössten Schaden richten die Güggelis mit ihren grünen Hinterlassenschaften an. Sie verdrecken die Pisten und Fenster der Flugzeuge, aber auch die Kleider der ein- und aussteigenden Passagiere. Etliche Versicherungen gehen deswegen pleite.
Die grünen Hühner, schön anzusehen, aber schwer auszuhalten, vergällen das Leben auf den Dörfern. Es werden Bürgerwehren gebildet, welche die Bewilligung haben, die grünen Vögel lautlos abzuschiessen. Nach Abschuss müssen die Vögel unverzüglich gegessen oder entsorgt werden. Man beabsichtigt, in der Bevölkerung den Eindruck zu erwecken, die Vögel verschwänden von selbst. Ob sie wohl verschwinden werden?