29. November 2018 Doris Schöni 0Comment

ARTE zeigte am Donnerstagmorgen von 00:40 – 01:35 einen Dokumentarfilm (von Véronique Lagoarde-Ségot) von bisher unveröffentlichten Aufnahmen aus sowjetischen Archiven. Sie erzählen vom Holocaust jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung und von einem vergessenen Massenmord am jüdischen Volk.

Die weltbekannten Filmaufnahmen von der Befreiung der Konzentrationslager waren lange die einzigen Dokumente, die der Shoah im kollektiven Gedächtnis ein Gesicht gaben und den Horror ansatzweise greifbar machten. Doch was wissen wir von den drei Millionen Juden, die auf sowjetischem Boden ums Leben kamen? Nach Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Paktes 1939 hatte die UdSSR die baltischen Länder und den östlichen Teil Polens annektiert. In diesen Ländern und in der Ukraine werden sich die grössten Massaker abspielen: Millionen sowjetischer Zivilisten werden ermordet und mit ihnen die ganze jüdische Bevölkerung. In den von der Wehrmacht eroberten Gebieten betreiben sogenannte Einsatzgruppen aus Polizei und Waffen-SS eine mörderische Jagd ohnegleichen. Die Bilder, die bei der Öffnung der sowjetischen Archive rund 60 Jahre nach Kriegsende ans Licht kamen, enthüllen nun das ganze Ausmass dieses Dramas. Zusammen mit deutschen, litauischen und ukrainischen Aufnahmen erzählen sie vom Holocaust jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung und von diesem vergessenen Massenmord am jüdischen Volk. Ab 1941 wurden sowjetische Kameramänner an die Front geschickt, um das festzuhalten, was Stalin den „Grossen Vaterländischen Krieg“ nannte. Ihre Bilder sollten das sowjetische Volk davon überzeugen, gemeinsam gegen den Nationalsozialismus zu kämpfen. Ununterbrochen und bis zum Kriegsende filmten diese Männer die Gräueltaten des Feindes – zur Bewahrung der nationalen Einheit wurde jedoch verschwiegen, dass die jüdische Bevölkerung zu den ersten Opfern der Besatzer gehörte.

Die heutige Tendenz, den Holocaust „doch endlich ruhen“ zu lassen, ist angesichts des wieder aufflammenden Neonazismus eine gefährliche Entwicklung. Die Neonazis enthüllen eine erschreckende Geschichtslücke, es fehlt ihnen an Wissen über die erst vor 70 Jahren begangenen Verbrechen an jüdischen Menschen. Um diese neue Entwicklung aufzuhalten, braucht es Filme wie  „Die Grauen der Shoah, dokumentiert von sowjetischen Kameramännern“. Sie sollten vor allem an Schulen gezeigt werden. Entweder ist ein DVD bei ARTE erhältlich oder von „https://www.arte.tv/de/videos/055147-000-A/die-grauen-der-shoah-dokumentiert-von-sowjetischen-kameramaennern/“ herunterzuladen.

 

 

 

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