Mit Schmerzen in allen Gliedern wälzt man sich gegen Mittag aus dem Bett. Die heisse Dusche lindert das Gliederreissen nicht. Kaffee, Medikamente und Zeitungen folgen. Eine Einkaufsliste wird vervollständigt. Mühsam zieht man einen Mantel über, geht aus dem Haus etwa bis zum Gartentor, erinnert sich, den Autoschlüssel zu benötigen, kehrt ins Haus zurück, reisst im Vorbeigehen eine Tüte mit Sonnenblumenkernen mit sich und auf den Boden, schliesst das Haus erneut, das Schloss klemmt. Ächzend bückt man sich ins Auto und legt den Rückwärtsgang ein. Spitze Äste kratzen an der Karosserie. In der Einstellhalle des Einkaufszentrums quetscht man sich aus dem Vehikel, sucht in den Manteltaschen schimpfend nach einer Maske, räumt die Taschen aus, aber nein, drei Masken befinden sich anderswo, dann grabscht man nach einem Ein- oder Zweifränkler für das Wägeli, findet einen zu unterst in der hinteren Jeanstasche.
Die Einkaufsliste in der Hand, versucht man in logischer Reihenfolge die benötigten Objekte ins Wägeli zu befördern. Beim Gemüse packt man drei Gebinde ein, merkt aber erst später, dass man Bioprodukte genommen hat, nein, ja keine Bioprodukte, die sind zu teuer und erst noch unansehnlicher als die nicht als Bio deklarierten, ebenfalls biologischen Waren, bringt also das Bio zurück. Der Einkaufszettel flattert zu Boden. Man bückt sich mit schmerzverzerrter Miene. Weiter zu den Milchprodukten. Gewisse Joghurts tronen auf dem höchsten Gestell, das man nur erreicht, wenn man sich auf die untersten Waren stellt. Ziemlich schwankend ergattert man das entsprechende Joghurt, beim Herunterspringen segelt der Einkaufszettel erneut von dannen, erneutes Bücken und ein junger, freundlicher Herr fragt: „Kann ich Ihnen helfen?“ Bei den Zeitschriften stolpert man über die Hinterräder des Wägelis, das schmerzt und man spürt das Blut in die Socken rinnen. Die Maske hindert einen am Atmen und man hält inne, um sich etwas zu erholen. Dabei knallt einem eine lebhafte Familie ihren Wagen in die Kniekehlen und entschuldigt sich nicht einmal, da man ja im Wege stand.
In der Schlange vor der Kasse, in der sich auch so eine Alte schlau vorgedrängt hat, kommt einem in den Sinn, dass man ja vergessen hat, Peperoncini einzupacken. Also zurück zum Gemüse. Das Hühnchen fehlt ebenso im Wägeli, deshalb einen Umweg zum Fleisch und eine TV-Zeitschrift braucht man auch. Die Einkaufsliste fällt zum dritten Mal zu Boden. Vor der Kasse geht man zur anderen, geschlossenen Kasse, um eine NZZ zu besorgen. Ein älterer Mann ruft unwirsch: „Diese Kasse ist geschlossen.“ Giftig anwortet man: „Bin ich etwa blind?“ Beim Einpacken der viel zu vielen Lebensmittel ist man derart ungeschickt, dass eine Plastikkante die Papiertasche, für die man dreissig Rappen zu entrichten hat, einreisst und die ganze Ware auf den Boden purzelt. Man kauft eine neue Tasche, die noch anstehenden Leute beginnen, ungeduldig zu murren und jemand ruft: „Warum dauert es so lange?“ Atemlos auf dem Boden kauernd und erneut einpackend bleibt man stumm, weil einem der Schnauf zum Antworten schlicht fehlt.
In der Einstellhalle reisst man sich die Maske aus dem Gesicht und wuchtet die Waren stöhnend in den Kofferraum. Man bringt das Wägelchen zurück. Den Zweifränkler, den man in den Schlitz gesteckt hat, fällt und rollt unter die bereits parkierten Einkaufswagen. Man kniet auf den Asphalt, die Münze entdeckt man angelehnt an das Rad des vordersten Wagens. Der ausgestreckte Arm schmerzt höllisch, ist aber zu kurz. Deshalb geht man zum Auto zurück und fahndet nach einem Utensil, das helfen könnte, den Zweifränkler zu behändigen. Nach langem Suchen entdeckt man ein Paket Spaghetti, das sich irgendwie selbstständig gemacht hat und deshalb im Auto geblieben ist. Mittlerweile wurde der Zweifränkler freigestossen, so dass man ohne die Hilfe der Spaghetti zu seinem Geld kommt.
Für die Heimfahrt hat man versäumt, das Licht einzuschalten. Wütendes Gehupe ruft einen zur Ordnung. Der mittelalterliche Fahrer zeigt einem auch noch den Vogel. Man streckt die Zunge heraus wie weiland Albert Einstein und wird von der Sonne geblendet.