28. Mai 2023 Doris Schöni 0Comment

In einem Pferdestall auf der Schwand treibt sich plötzlich ein vierohriger Hase herum. Die zusätzlich,en Ohren befinden sich neben den ordentlichen, haben dieselbe Grösse und Farbe. 

Bist du ein Fabeltier, wundert sich ein junges Pferd. Was ist ein Fabeltier? erkundigt sich der Hase. In der Mythologie ist es ein Tier von fantastischer, oft monströser Gestalt. So bin ich eine menschliche Fantasie, also gar nicht reel? Bin ich monströs? Nein, beruhigt das Pferchen, du bist putzig mit deinen lustigen Ohren.

Meister Lampe hoppelt zum Eingang des Pferdestalls. Draussen herrscht eitel Sonnenschein. Freudig will er in seine Stammbeiz eilen,  doch diese ist verschwunden. Ein sozialer Wohnblock hat sie vertrieben. Mit dem ÖV fährt er in die Stadt und bestellt an der Front einen dry Martini. Die Kellnerin aus Zuri West stellt drei Gläser Vermuth vor ihn. Sind Sie übergeschnappt? herrscht der Hase. Und seine vier Ohren bewegen sich hin und her. Händsi öppis z reklamieere? Wie sie dazu komme, ihm drei Gläser Vermouth hinzustellen? Sie händ doch dray Martini bstellt. Es gehe doch nicht um dray sondern um einen dry Martini. Die Züri Westlerin weicht rückwärts vom vierohrigen Hasen weg. Fräulein, ruft er, bringen Sie mir jetzt einen richtigen dry Martini oder nein, den Chef des Etablissements. Des Eta-was? Des Restaurants. Ach so. Ja so. So und nichts anders. Ach Gott, was bin ich pingelig, stöhnt sich der Hase in die äusseren Ohren. Aber erst, seitdem ihr mir gewachsen seid.

Er bemerkt den Chef nicht, der an seinen Tisch getreten ist, in Trainerhosen und einem verzogen T-Shirt. Was wosch, herrscht er den Hasen an. Ganz einfach und bescheiden einen dry Martini. Di hesch ja vor dir. Oder bruchsch mi brüllä? Sollten diese drei mit Vermouth gefüllten Gläser einen dry Martini sein?  Was de süsch tu Tubu. Des Hasens Ohren kreisen um sich selbst und verheddern sich ineinander. Bring mau di friise id ordnig, schimpft der Trainerbehoste. Meister Lampe kommt sich überhaupt nicht als Meister vor. Eine dicke Träume kullert aus dem rechten Auge. Todesmutig greift er zum ersten, zum zweiten und schliesslich zum dritten Glas Vermouth Die Süsse des Vermouths haftet an seinen Zähnen, er wagt es jedoch nicht, ein Glas Wasser zu bestellen. Leicht schlenkernd erreicht er den richtigen ÖV, kehrt bedenklich durstig in den Pferdestall zurück und stürzt sich auf den Wasserbehälter des Füllens. Wie war es? fragt dieses liebevoll.  Ach Pferdchen, lallt der Vierohrige, ich bin zu schade für die heutige Welt, die Restaurantbedientesten und ihr Chef sind derart ignorant, dass sie den dry Martini nicht mehr kennen. Ja, wiehert das Pferdchen, was bin ich froh, beim Blauen Kreuz zu sein.

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