Ein Freund, der mir oft freundlich und oft unfreundlich begegnet, riet mir letzthin: „Anstatt dauernd zu meckern und unzufrieden über deine Lage als Seniorin zu sein, werde aktiv und gründe einen Verein“.
Also gründe ich einen Verein, ohne Statuten und Pflichtenhefte. Ich gebe ihm den Namen „Verein der zornigen Alten“. Der Zorn gilt dem Altersleitbild der Gemeinde, der Unmöglichkeit, nach fünfundsechzig Jahren noch einen Job – nicht im Baugewerbe – zu ergattern, der Somatisierung des Alters, dem Gesundheitswahn auf Kosten der intellektuellen Förderung, dem Trend, „gesund leben im Alter“, natürlich ohne Rauchen und Alkohol, als ob das noch eine Rolle spielen würde, der Geringschätzung der jüngeren Menschen gegenüber des Alters, der Verdummung von Pensionären in Alterseinrichtungen, in denen ihnen als Freizeitbeschäftigungen Stricken und Jassen angeboten werden und dergleichen.
Wer alt und zornig ist und sich nicht damit begnügt, bescheiden und demütig zu sein, mit Vergnügen seine Hirnzellen stresst, eine gesunde Lebensweise scheucht und nichts von Achtsamkeit sich gegenüber wissen will, bitte ich um Unterstützung. Mitgiederbeiträge sind nicht vorgesehen und religiöse Eiferer nicht erwünscht.
Wer wagt es?