Ein Freund pflegt mich zu veräppeln, indem er mir bei etwelchen kritischen Äusserungen meinerseits mit dem Altersheim droht. Er würde gerne einen Film über meine Anwesenheit in solch einer Institution drehen, und zwar vom Eintritt über meine Rebellion bis zu meiner Einweisung in die Psychiatrie.
Wir lachen über dieses Szenario, aber ein Quentchen Realität besteht in dieer Verspottung. Angenommen, es würde mir körperlich unmöglich, die vier Treppen zu meinem Schlafzimmer zu bewältigen, gäbe es wohl keine andere Lösung als der Umzug in eine Altersinstitution. Dass ich den alltäglichen Ablauf, der sich nach den Bedürfnissen der Mehrheit der alten Menschen und jenen der wirtschaftlichen Effizienz der Institution richtet – es sei darauf hingewiesen, dass Alterseinrichtungen Unternehmen, also nicht wohltätige Betriebe sind – nicht ertragen würde, liegt auf der Hand. Zuerst würde man versuchen, mich zur Vernunft zu bringen. Doch nach erfolglosen Versuchen bliebe nichts anderes übrig, als mich in die geriatrische Psychiatrie zu überführen, in der man sediert und angebunden wird.
Das sind keine Horrorfantasien à la Stephen King. Mit aufsässigen Altersheimbewohnern wurde so verfahren. Ihr Ungehorsam wurde mit der Einweisung in die Psychiatrie bestraft. Es entzieht sich meinem Wissen, ob es Alterseinrichtungen für schwierige Patienten gibt. Schwierig im Sinn von Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Menschen, die ein lebenslang unabhängig waren, wegen physischer Probleme nicht mehr alleine leben können, haben oftmals Mühe, sich in einen Institutionsalltag einzugliedern.
Es müsste ein neues Konzept von Aufenthalten in Alterseinrichtungen geben. Ohne starren alltäglichen Ablauf, mit mehr Individualität und Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse. Mit schwebt ein selbstverwaltetes Dorf vor, wie es in Holland für Altzheimerkranke gibt. Ein Wagnis mit Zukunft.