Es begab sich vor Jahrhunderten, dass sich der Frosch nicht zu einem König entwickelte. Das kam so:
Als Jüngling züchtete der Königssohn mit Verve Frösche. Er kreuzte kleine mit winzigen, riesige mit noch grösseren, sofern er sie finden konnte, grüne mit roten, ockergelbe mit bläulichen, südseeblaue mit pinkigen. Oftmals war das Resultat aus diesen Mischungen erstaunlich oder banal. Jedenfalls freundete sich der Königsohn mit einem Laubfrosch mittlerer grösse an. Laubfrösche können 25 Jahre alt werden. Es ergab sich daher eine sehr lange Freunndschaft. Sie überstand selbst die Ernenneung des Königsohnes zum König
Der Frosch war immer in seiner Nähe, selbst wenn er auf dem goldenen Thron sass. Der König war sich der Gefahr bewusst, der er sich mit dieser Freundschaft aussetzte. Das Fröschen, das nicht wachsen wollte, wandte all seine Tricks an, um das staatliche und kirchliche Oberhaupt zu einem Kuss zu verführen. Tag und Nacht war der König auf der Hut, so dass er an Erschöpfung litt, heute würde man behaupten, er habe ein „burn out“.Wenn er sich für einige Stunden hinlegte, versah er sich mit einer schwarzen Maske ohne Mund. Das Laubfröschchen versuchte, hinter die schwarze Maske zu klettern, doch der König erwachte und schüttelte derart heftig den Kopf, dass der Laubfrosch durchs offene Fenster segelte und hart auf dem Kies aufschlug. Er leckte quakend seine Wunden und versteckte sich im Gras.
Warum versagte der Gekrönte dem Laubfrosch einen harmlosen Kuss? Ein Kuss würde den Laubfrosch zu Rübezahl verwandeln, dem Berggeist, der den Menschen Angst einjagt oder beisteht, ihm, dem König, würde er nicht beistehen, zu oft hatte er ihn geneckt und geärgert. Er würde ihm auflauern, ihn in Angst und Schrecken versetzen, höhnisch über seine Feigheit herfahren, ihn vor seinem Volk lächerlich machen. Seine Würde beschmutzen, sein Zepter verbiegen.
Vor Erschöpfung wurde der König immer schwächer. Seine Verteidigung gegen den Laubfrosch wankte und quittierte den Dienst. Als er eines Nachmittags ruhte, vergass er die mundlose Maske aufzusetzen. Also näherte sich der Frosch behutsam, versagte sich das Quaken und hüpfte leicht wie eine Feder neben des Königs Mund. Die fremde Präsenz neben seinen Lippen kitzelte ihn und brachte ihn zum Niesen. Der Laubfrosch geriet in einen Wirbelsturm und unfreiwillig landete er auf des Monarchen unterer Lippe. Beim Atmen berührte seine untere Lippe die grasgrüne schlüpfrige Haut. Der Laubfrosch blieb Laubfrosch, der Regenent jedoch schrumpfte und schrumpfte bis die Verkleinerung auf der Höhe des Frosches stoppte. Zudem schillerte seine feuchte Haut in den Farben grün, rot, ockergelb, bläulich, südseeblau und pink. Wo bin ich, stammelte er mit ersterbender Stimme. Im Königreich der Zwerge der Zwergen. Für immer? Wenn du mich küsst, wächst du wieder zum mächtigen Herrscher heran … .