10. Januar 2020 Doris Schöni 0Comment
Mit dem Thema Liebe beginnt Ulrich Seidls „Paradies-Trilogie. Es geht um die 50-jährige Österreicherin Teresa, eine „ordentliche“ Frau mit Tochter in Wien, die in Kenia ihre Sehnsucht nach Liebe stillen möchte.
Hinter der Abschrankung, die den öffentlichen Strand vom Hotelgarten trennt, stehen viele junge Kenianer, die auf Opfer warten. Hotelgäste – vor allem weibliche – werden von ihnen umschwärmt. Sie versuchen, den Ausländern allerlei Schmuck zu verkaufen, aber nicht nur: Sie gehen auf Jagd nach weissen Frauen, und zwar ungeachtet ihres Alters und ihrer Figur. Teresa trifft eine Freundin im Ferienhotel, die ihr saftige Erlebnisse mit dunkelhäutigen Jungen erzählt. Teresa sehnt sich nach Liebe, Liebe, die sie offenbar nur in Afrika zu erleben glaubt. Wie viele männlicheTouristen, die in fremden Ländern nach Liebesabenteuer suchen, findet sie nicht Liebe, sondern Sex.
Die jungen Kenianer flüstern in gebrochenem Deutsch und Englisch schöne Worte ins Ohr der Österreicherin, nach dem Sex jedoch fordern sie Geld für ihre kranken oder verunglückten Verwandten. Teresa gibt und gibt, doch es ist immer zu wenig. Sie wechselt von einem Liebhaber zum anderen, doch es geht nie um Liebe sondern immer um Sex und Geld. Zu Teresas Geburtstag organisieren einige Deutsch sprechenden, ebenfalls mittelalterlichen Frauen eine Party mit einem angeheuerten, dunkelhäutigen Lustknaben. Die Frauen lassen alle Hemmungen und Kleider fallen, jagen ihn aber weg, da sie vermuten, er sei schwul.
Es brauchte von den Darstellerinnen wohl einen ungeheuren Mut, sich in ihrer Körperfülle und mit den Spuren ihres Alters versehen vor die Kamera zu stellen. Mittlerweile ist bekannt, dass es nicht nur männliche Sextouristen gibt, die weit weg von ihrer Heimat ihren Gelüsten und Sehnsüchten frönen. Männer und Frauen bezahlen für Sex oder Liebe oder für beides. Die europäischen Frauen erleben wohl zum ersten Mal die Macht des Geldes. Nach anfänglicher Schüchternheit entwickeln sie sich zu einer Art Sklaventreiberinnen. Geld für Liebe, die nie Liebe sein kann.
Die Schamlosigkeit der mittelalterlichen Frauen erweckt bei – gleichaltrigen und gleich unförmigen – Frauen Abscheu. Wie kann man sich derart schamlos verhalten? Der Anblick von dickbäuchigen älteren Männern mit jungen Schönheiten ist schockierend. Jener von fülligen älteren Frauen mit jungen Kenianern verstört. Die Obszönität der europäischen Frauen, sich im Alter das zu holen, was sie verpasst haben, hinterlässt einen sehr schalen Geschmack.
 

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