Der erste Tag im sogenannten neuen Jahr. Das Quartier-Tea Room füllt sich zusehens. Vor allem ältere Leute, Paare und Freundinnen untzerbrechen ihre Spaziergänge, um sich hier zu erfrischen. Es ist trocken und relativ warm für diese Jahreszeit, so dass Glacen und Coupen sehr gefragt sind.
Am Nebentisch findet sich ein älteres Ehepaar ein. Sie sind gekleidet wie ein älteres Paar, sie trägt einen altmodischen Pullover und er, das was heute als Pullunder bezeichnet wird. einen V-Pullover ohne Ärmel. Beide bestellen einen Kräutertee, von derselben Farbe, drücken die Beutel sorgfältig aus und deponieren sie auf je einem Tellerchen. Sie trinken im denselben Rhythmus. Schweigen. Und schweigen. Diese Situation erinnert an Jacques Brels Chanson „Les vieux“.
Les vieux ne parlent plus
Ou alors seulement parfois du bout des yeux
Même riches ils sont pauvres
Ils n’ont plus d’illusions et n’ont qu’un cœur pour deux
Chez eux ça sent le thym, le propre
La lavande et le verbe d’antan
Que l’on vive à Paris, on vit tous en province
Quand on vit trop longtemps
Est-ce d’avoir trop ri que leur voix se lézarde
Quand ils parlent d’hier
Et d’avoir trop pleuré que des larmes encore
Leur perlent aux paupières
Et s’ils tremblent un peu
Est-ce de voir vieillir la pendule d’argent
Qui ronronne au salon
Qui dit oui qui dit non, qui dit „je vous attends“.
Deer Mann verschwindet plötzlich, ohne ein Wort. Lange Zeit kehrt er nicht wieder. Er hat wohl Prostata-Probleme. Während seiner Abwesenheit vereinigt die Frau die leergepressten Teebeutel auf einem der Tellerchen. Sie sitzt weiterhin still am Tisch, die lange Abwesenheit scheint sie nicht zu stören. Als er wieder kommt, steht sie auf, zieht ihren Mantel über, der Mann tut es ihr gleich, stehend bezahlt sie die Konsumation. Dann verlässt das Paar, wortlos wie es gekommen ist, das Lokal. Die Alten sprechen nicht (mehr), alles ist wohl gesagt. Und trotzdem wollen sich alle paaren.
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Scheiß wie langweilig maggen ihr leben sein…