Der Begriff „burn-out“ hat sich zu einem Modewort entwickelt. Die Symptome des „burn-out“ werden folgendermassen beschrieben: Erschöpfung, Energiemangel, Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Insuffizienzgefühle, Entscheidungsunfähigkeit. Nicht nur Spitzenmanager, sondern auch umtriebige Politiker auf allen Stufen leiden unter dieser Krankheit; sie gehört fast schon zum guten Ton, also wird sie wohlwollend beurteilt. „Burn-out“ oder eben Ausgebranntsein ist wohl auch ein Zeichen dafür, Veränderungen ins Visier zu nehmen und Vergangenes aufzuarbeiten. Die meisten Menschen sind Künstler im Verdrängen. Verdrängt wird, um sich nicht mit unbequemen Tatsachen auseinander zu setzen. Aber es ist eben einfacher, sich paradiesvogelhaft durchs Leben zu mogeln. Sich mit Euphemismen in gute Laune zu versetzen und sich unbedarft Verantwortungen zu entziehen. Und dann schlägt das „burn-out“ ein wie eine Bombe.
Wenn der Mensch seine Krisen jeweils bagatellisiert hat, um im bequemen Leben nicht gestört zu werden, so ist er verloren angesichts einer schweren Krise, die dann eben als „burn-out“ somatisiert wird. Der heutige Mainstream-Mensch wünscht sich einen erfolgreichen Job, eine Familie, ein Haus, ein schönes Auto, Schnäppchen-Ferien irgendwo am Meer, und sonst eigentlich nichts mehr. Es ist wohliger, sich vom Strom mitspülen zu lassen, als gegen ihn anzukämpfen. Manchmal jedoch – und dies ist auch eine Chance – bricht der Krug und muss repariert werden. Das „burn-out“ als Aufbruch in eine bessere, bewusstere Zukunft.