16. Juni 2023 Doris Schöni 0Comment

Die ältesten Texte der Bibel sind ehemals mündliche Traditionen und Überlieferungen, die Schreiber aus den Ländern östlich des Mittelmeers verfassen sie ab etwa 600 v. Chr. auf Papyrus, Lederrollen oder Tontafeln.

Sieben Jahrhunderte lang werden Theologen um die richtige Anzahl dieser Schriften ringen. Erst um das Jahr 95 n. Chr. bezeugt der jüdische Historiker Josephus den endgültigen Umfang der Überlieferungen des Tanach. Die frühen Christen übernehmen die jüdische Bibel als Heilige Schrift und verwenden sie in ihren eigenen Gottesdiensten – sie sehen sich in der Tradition des Judentums, betrachten sich selbst als Teil des auserwählten Volkes.

Diese Tatsache vernehme ich erst heute. Offenbar bin ich nicht allein, wüssten das alle Christen, gäbe es doch keine Antisemiten. Wäre das nicht Brudermord? M. und ich blödelten verbal herum. Plötzlich sagte der eine oder die andere  „Warum schreiben wir eigentlich keine neue Bibel“? Die Fantasien schweiften aus. Der Begriff der Moral musste neu definiert werden. Es geht, so meinten wir unisono, nicht um die obsessiven Bestrafung jener, die der Fleischeslust erliegen, wahr oder abgepresst? Unsere Moral betraf unethisches, bauernschlaues, autoritäres, ausbeuterisches, sich bereicherndes Verhalten

Wir erfanden eine Tochter Gottes, eine pubertierende, verwöhnte Göre mit Schnellzähnen und weit auseinander liegenden Augen – als wäre sie eine Tennisspielerin .

 

Diese Interpretation lese ich zum ersten Mal, und ich nehme an, dass es vielen Menschen unbekannt ist. Denn damit wäre doch wohl der Antisemitismus im Christentum eine Art Brudermord. Diese These werde ich mit Verve verbreiten.

M. und ich blödelten verbal herum. Plötzlich rief der eine oder die andere „warum schreiben wir eigentlich ,keine neue Bibel?“ Die Idee verlieh der Fantasie Flügel. Wir erfanden eine Tochter Gottes, die er auf die Erde schicke wollte, um Anstand, Korrektheit und Doppelmoral zu lernen. Die Tochter war eine pubertierende, verwöhnte Göre, mit Schnellzähnen und rundlichen Wangen. Sie war übrigens nicht binär, wie viele Himmlische, aber das hielt Gott nicht ab, sie dennoch auf die Welt zu beamen, es gab ja mittlerweile millionenweise nicht Binäre auf der Erde. Auf TripAdvisor bekam der Himmel mittlere Punkte; beanstandet wurde die kühle Temperatur, obwohl gerührt über die Anstrengung, des Himmels, der Klimakrise auf Erden zu Leibe zu rücken, befand der Advisor die Himmelsatmosphäre als kühl und steril. Die Hölle hingegen wurde gerühmt. Sie war eine Mischung aus Schlaraffenland und Swinger Club. Die Höllianer braungebrannte, vor Jugend strotzende und schelmische Personen, die Bücher lasen und sich unterhielten und sich fragten, ob nicht die Zeit für ein neues Buch der Bücher, ein Buch der Bücher der Bücher gekommen sei.

Wir konnten uns nicht auf ein Duell zwischen Hölle und Erde, das entscheiden sollte, welche Partei die neue heilig-heilige Schrift, schreiben würde einigen.  So gingen wir zu Werk. „Schreibst du die Einleitung mit der Erwähnung über die Christen, die eigentlich Juden waren“? „Dann übernimmst du den Text über den Himmel. Und die Hölle beschreiben wir zusammen“.

Das Buch der Bücher der Bücher kam auf die Bestsellerliste, gekauft wurde das Buch jedoch spärlich. Die neue Generation Za bestand aus Sparfüchsen, die Bücher austauschten …

 

 

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