Sind Sie der Corona-Berichterstattung ebenfalls müde? Die Print-, Fernseh- und Radioberichte über Covid-19 füllen sicherlich fast die Hälfte dieser Gefässe. Von Djokovic bis Seniorenheim über die psychischen Nöte der Jugendlichen verdient jede Nische der Pandemie Erwähnung. Mit welchen Themen werden diese Berichte nach der Beendigung der Seuche ersetzt?
In der Eisenbahn wird darüber – motiviert durch die Gratiszeitungen, die in der Pandemie schwelgen – gesprochen, beim Spaziergang an der Aare, im Restaurant, am Familien- und Stammtisch, in der Firma, an Parties, Einladungen, im Quartierlädeli, und überall, wo sich Menschen treffen. Nach Corona interessieren bestenfalls noch Ski- und Fussballberichte.
Mindestens sind die Coronaleugner und Impfmuffel ruhiger geworden. Von den Treichlern haben sich wohl etliche still und heimlich impfen lassen (es grüsst die Angst!). Das Sammelbecken mit Verschwörungstheoretikern, neuen Rechten, Frustrierten, ewig Unzufriedenen, Impfphobikern, Sektenmitgliedern, mir-passiert-schon-nichts-Gläubigen, Egoisten (die Alten können mich mal), Wissenschaftsfeindlichen und sonstigen Unverbesserlichen hat eine hehre Niederlage verbüsst. Es gilt also, die Strategie zu ändern. Mit Gewalt erreicht man in der Schweiz wenig. Bis sich das Sammelbecken-Volk wieder selbstdarstellt, gibt es kaum News zum Publizieren.
Was im Augenblick fast anstössig anmutet, ist die grosse Sorge der Politik um die Wirtschaft, das Funktionieren der Arbeitswelt, die Durchführung von Anlässen für vornehmlich die Jugend, die ach so sehr unter der Kummunikationsstille leidet (unnötig zu erwähnen, dass sie ja eher smslet, als sich live zu unterhalten), das erinnert doch sehr an „Brot und Spiele“: Wörtlich übersetzt bedeutet es „Brot und Wagenrennen“, bei uns sagt man aber gewöhnlich „Brot und Spiele“. Juvenal (Satirendichter des 1.und 2. Jahrhunderts n. Chr.) meinte, dass das römische Volk sich von allen politischen Dingen durch eben Brot (Getreide) und Spiele (Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe) ablenken liess. Und die Rumpf-Winterolympiade in China, die trotz allen Warnungen durchgeführt werden muss … .
Die Impffeinde schreien „liberté“. Die Freiheit, welche die Impfaffinen meinen, wäre wieder ohne Restriktionen und lästigen Vorschriftenn zu leben, wieder in andere Länder auszuschwärmen, ohne Impf- und Boosterausweis ein Auswärtsmahl zu geniessen und ohne wegen der Maske angelaufenen Brillengläsern durch Läden zu schlendern. Vor allem aber: Nichts mehr über Covid-19 lesen, ansehen und hören zu müssen.