27. Oktober 2022 Doris Schöni 0Comment

Für etwas antisemitische Fernsehzuschauer war der Dokumentationsfernsehfilm „Charlotte Knochloch“ übertrieben und unnötig. Abgesehen von seiner Dokumentation war die Sendung ein Kleinod wegen seiner gelungenen Mischung von Video, Bild und hervorragenden Zeichnungen.

Ein typisches jüdisches Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Angesehene Bürger, Rechtsanwälte, Ärzte, Professoren, verloren über Nacht ihre Existenz, büssten ihre Häuser und ihren ganzen Besitz ein und zögerten dennoch, auszuwandern, da sie Deutschland als ihre Heimat betrachteten. Und dann war es zu spät. Die unter zehn Jahre alte Charlotte wurde von ihrem Vater aufs Land zu einer ehemaligen Angestellten gebracht und lebte fortan als „Bankert“ (uneheliches Kind) verachtet unter der Dorfjugend.

Grossartig an Charlotte Knobloch war und ist ihre Versöhnlichkeit. Trotz aller Leiden und Verluste bewahrte sie ihren Lebensmut und ihre positive Grundeinstellung. Seit 1985 war sie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Von 2005 bis 2013 war sie Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses und seit 2013 ist sie dort als Commissioner for Holocaust Memory tätig.

Charlotte Knobloch feiert am 29. Oktrober ihren 90. Geburtstag. Altkanzlerin Angela Merkel hat der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland für ihr Engagement gedankt. „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen in unser Land, ich danke Ihnen für Ihren Einsatz für unser Land“, schrieb Merkel in einem Glückwunschtext, der am Freitag in der «Jüdischen Allgemeinen» veröffentlicht werden soll. Wann immer es gelte, die Stimme gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit zu erheben und die immerwährende Verantwortung Deutschlands anzumahnen, „nahm und nimmt Charlotte Knobloch unmissverständlich Stellung“. (Zeit online, 28.10.2022.)

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