24. August 2020 Doris Schöni

Rauchen ist heutzutage verpönt. Raucher werden gezwungen, sich zu verstecken, also wie zur Jugendzeit im Geheimen zu rauchen. Am wohlesten ist es den Rauchern Zuhause, dort können sie – falls sie alleine wohnen – nach Lust und Laune ihrer Sucht frönen. Es ist eine quere Geschichte. Mit unerbittlichen Nichtraucherinnen nach Luzern mitzufahren, zielorientiert ins KKL zu marschieren: Rauchen ist nicht angezeigt. Die Nichtraucherinnen drängen, so schnell als möglich ihre Plätze im Konzertsaal einzunehmen, obwohl die Vorführung erst in Dreiviertel Stunde beginnt, die Rauchende erbittet sich eine Auszeit vor dem von Jean Nouvel erbauten Kunstwerk. Das Konzerttäschchen ist vollgepfropft, so wird…

14. August 2020 Doris Schöni 1Comment

Das letzte Kätzchen ist hochbetagt gestorben, wurde zu Grabe getragen und beweint. Wenige Tage danach eroberte eine winzige Maus – oder waren es mehrere?  – die Liegenschaft. Am Abend während des Nachtessens im Garten tauchte das Mäuschen plötzlich auf, wie ein Schatten rannte es geschäftig zwischen den Pflanzentöpfen hin und her, verschwand, tauchte wieder auf und frass die am Boden liegenden Brosamen. Man begann, es mit Brotstückchen, Käseresten, Fleischmöckchen und anderem mehr zu füttern. Die Maus war hungrig und schleppte alle zugeworfenen Häppchen irgendwo in Sicherheit. Die Maus richtete sich im Maleratelier ein. Einige der vom Maler gehorteten Toblerone-Schoggis knabberte…

27. August 2017 Doris Schöni

Es gibt Menschen, die lauschen am Sonntag andächtig dem Gebrüll der Boliden. Es gibt Menschen, die erleben während des ganzen Sonntags Sport. Querbeet. Sportarten der Mehrheit. Sportarten, die gefallen, weil man sie versteht ohne zu denken. Setzt das Denken am Sonntag aus? Geniesst das Denken eine Denkpause? Hektik allenthalben. Man fährt aus. Ins Freie, ins Restaurant, zu Freunden, Bekannten und Verwandten. Man isst und trinkt zuviel. Auf dass Mami, „es“ trinkt nicht, das Steuer zur Heimfahrt übernimmt. Werden am Sonntag Museen besucht? Museen, die Tempel der Bildungshungrigen, des Bildungsbürgertums. Gehen „bildungsferne“ Menschen ins Museum? Ja. Eine chilenische Putzfrau, pardon, Reinigungsfachfrau,…

3. Mai 2017 Doris Schöni

Es war schon vor fünfzig Jahren ein Jammer: Die Bevölkerung östlich von Zürich (wobei Zürich auch dazu zählt) ist dem Französischen abhold. Auch damals standen die Menschen dieser Regionen vor einem unüberwindlichen französischen Berg und beharrten auf ihrem Dialekt bei Kontakten zu „Welschen“. Und zwar in einem Milieu, in dem die Umgangssprache Französisch war (Beispiel im Fechtsport). Im Thurgau behaupten die Primarlehrer, ihre Schüler seien mit dem Frühfranzösisch überfordert. Der Französischunterricht müsse auf die Oberstufe, nach dem Lernen der englischen Sprache, verlegt werden. Die oberste Priorität für die vielen Kinder der Asylbewerber sei der Deutschunterricht. Bevor sie mit dem Lernen…

24. April 2017 Doris Schöni

Im „BUND“ vom 19. April erschien (von Kathrin Werner) ein interessanter Bericht über den wachsenden US-Markt für Marihuana, der unter anderen von der Schauspielerin Whoopi Goldberg geprägt wird.   Ob Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden oder andere Leiden besser durch Cannabis als durch Chemie gelindert werden können? Die 61-jährige Whoopi Goldberg ist völlig überzeugt davon und gründete mit einer Marihuana-Expertin die Firma „Whoopi & Maya“. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte die Firma eine Serie von Produkten für Frauen, darunter Badesalz oder Körperlotion, die lediglich Schmerzen lindern. Zusätzlich sind auch Kakao mit Cannabis-Öl oder eine Tinktur, die man in ein Getränk oder direkt auf den…

16. April 2017 Doris Schöni

… versucht man sich zu erinnern, wie es war, früher an Ostern, als man jung nicht mehr an den Osterhasen glaubte und vielleicht Schokoladen-Eier und Zuckerhäschen in sich hinein stopfte. Aber man erinnert sich an nichts, an abernichts. Eier gesucht? Eier getüpft? Nestlein geplündert? Freudenschreie ausgestossen? Glück empfunden? Nichts. NICHTS. Le néant. Alles vergessen, verdrängt, vergraben. Möglicherweise war der Vater einmal mehr verstummt. Nach jeder Eheszene verstummte der Vater. Tage- und wochenlang. Am Essenstisch herrschte eine dumpfe Feindseligkeit. Als Kind versuchte man, die angstvolle Stimmung zu durchbrechen. Man „tat blöd“. Begann mit dem Essen zu spielen, wieder zu schmatzen, zu…

10. April 2017 Doris Schöni 1Comment

Kennen Sie das? Das Gefühl eines Vogels, dessen Flügel gestutzt wurden? Oder das eines Krokodils, dessen Zähne verloren gingen? Eines Hundes an der Leine, der vorwärts stürmt und zurückgehalten wird. Ein schales Gefühl der Unzulänglichkeit. Die Schalheit, sich überflüssig zu fühlen. Der Verstand, der das  Gefühl zur Mediation zwingt und unterliegt. Gefühl, nicht Bauchgefühl, wie Prof. Norbert Herschkowitz, der Hirnforscher, immer wieder ins Auditorium rief; nun sitzt er im Rollstuhl und ruft nicht mehr. Um was es hier eigentlich geht, würden Sie fragen, läsen sie je einmal diesen Blog? Es geht darum, schreibamputiert zu sein, geworden zu sein, gezwungen worden…

7. April 2017 Doris Schöni

In meiner Generation kümmerten sich unverheiratete Fräuleins um ihre Eltern. Sie waren im elterlichen Haus in ungeheizten Mansarden untergebracht. Sie sahen aus wie Vogelscheuchen, trugen Bürzis, waren knochig, von Kopf zu Fuss in Wolle gehüllt; der einzige Schmuck, der ihnen vergönnt war, bestand aus einem Wappenring und einer Kupferschnalle im Haar. Starben die Eltern, erbte der älteste Sohn Vermögen und Haus. Die Tochter diente dann der Familie des Bruders und half in Küche und Garten und kümmerte sich um den Nachwuchs.  In meiner Generation sprach der Vater, wenn man am Gymnasium in Mathematik nicht genügte (trotz guter Noten in Deutsch,…

27. März 2017 Doris Schöni

Empathie ist das Vermögen, sich in Eigenarten eines Gegenübers z. B. mit anderem kulturellem Hintergrund einfühlen zu können. Letzthin weinte und heulte ich jämmerlich und meine achtjährige Border Collie-Hündin begann ebenfalls zu heulen. Sie hörte erst damit auf, als ich sie streichelte und mit erstickter Stimme tröstete. Auf dem nachfolgenden Spaziergang lief sie nicht laut bellend vor mir her, sondern blieb dicht hinter meinen Beinen, ihre Nase klebte an meinen Hosen. Auf meine wiederholten Aufforderungen, doch bitte nach vorne zu gehen, reagierte sie nicht. Wenn ich hin und wieder einen Schluchzer nicht unterdrücken konnte, stubste sie mich in die Wade. …

20. März 2017 Doris Schöni

Wenn man für eine jüngere Person seinen Arbeitsplatz räumen muss, ausgebootet, ausgegrenzt, abgetan wird, begegnet man brutal und unerbittlich der Stunde der Realität: Nun bist du plötzlich von einer Minute zur anderen das, was du immer vergessen, das heisst, verdrängt hast: Alt, uralt. Das schwarze Brett, an dem noch vor einigen Wochen – übereinander geschichtet – Aufträge hingen, ist nun leer. Leer ausser einigen Zetteln für Arzt- und Zahnarzttermine. Sie bestimmen nun, wie bei den meisten alten Menschen, deinen Tagesablauf. Wenn man derart abrupt ins Eiswasser gestossen wird, ist guter Rat teuer. Nur Gemeinplätze bleiben. Billiger Trost für Schiffbrüchige, die…