Im Park des Schlosses Jegenstorf treffen sich jeden Morgen um sechs Uhr der Pfau und der Spatz. Sie mögen sich nicht besonders. Der auf seine Schönheit stolze Pfau schaut auf den kleinen, nicht bunten Spatz herunter. Das ständige Gezwitscher des Winzlings geht ihm auf die Nerven. „Was plapperst du eigentlich dauernd“, fragt der Pfau. „Och“, zwitschert der Hausspatz, „damit locke ich die Weibchen an“. Der Pfauenmann beginnt, sein Rad zu schlagen. Drei Meter beträgt der Durchmesser seines Fächers, der in allen Farben leuchtet. „Das“, prahlt der Pfau, „betört die Weibchen, nicht dein kläglicher, monotoner Gesang“. Der Spatz fliegt davon, zwitschernd….
Der Zibelemärit fungiert auf der „Liste der lebendigen Schweizer Traditionen“ und ist somit offiziell einer der wichtigsten Bräuche der Schweiz. Um die Entstehung ranken sich viele Legenden. Der erste Zibelemärit fand schon im 15. Jahrhundert statt und war damals noch ein Teil des Martinimarktes. Dort wurde alles verkauft – alles, ausser Zwiebeln. So soll dann der separate Markt für Zwiebeln entstanden sein. In einer anderen Geschichte wird behauptet, der Zibelemärit gehe auf den Stadtbrand von 1405 zurück. Als damals 650 Holzhäuser niederbrannten und 100 Menschen den Tod fanden, eilten die Freiburger den Bernern zu Hilfe. Als Dank dafür hätten die…
WM-Qualiikationsspiel zwischen der Schweiz und Italien. Fängt schon wieder mit einigen Schweizern an, welche bei der Hymne nicht mitsingen. Die Italiener hingegen singen lauthals. Und kennen den Text der Hymne. Trotzdem ist man für die Schweiz. Die Schweiz vollbringt das erste Goal. Euphorie. Danach wird es zum Sterben langweilig. Italien gleicht aus. Gegen-Euphorie vor der Pause. In dieser wird die ganze erste Halbzeit erläutert von zwei erprobte Fussballexperten. Jede Spielphase wird analysiert. Jede Aktion wird durchgekaut. Mit vollem Ernst. Bierernst. Erwachsene Mannen. Hey, es geht doch um ein Spiel. Langeweile bis zum Abwinken. Sie spielen wieder. Rennen und rennen. Köpfeln…
Innerhalb von wenigen Jahren ist die ganze Welt grün geworden. Die Umwelt steht auf der höchsten Prioritätsstufe. Die Klimajugend drängt auf Meinungsumschwung. Sie klagt die älteren Generationen an, schuld an der Klimaveränderung zu sein. Endlich engagiert sich die Jugend wieder. Alle Schweizer Parteien, mit einer Ausnahme, bekennen sich zum Klimaschutz. Sie sind damt einverstanden, den CO2–Ausstoss bis 2030 massiv zu reduzieren. Alle brüsten sich damit, umweltfreundlich zu sein. Wenige sind jedoch bereit, auf ihre Benzinautos zu verzichten. Sobald des Schweizers Portemonnaie betroffen ist, regt sich Widerstand gegen die Einbussen von persönlichem Komfort. Die Lippenbekenntnisse sind Legion. Jede Firma, jeder Weltkonzern…
Stammtisch in einer Landbeiz. Die Gäste trinken reichlich Bier und Weisswein. Männer und Frauen sitzen beisammen, lachen und fluchen. Die Sprache der Frauen ist besonders grob. In allen ihren Sätzen wimmelt es von Worten wie „huere“, „Schiissdräck“, „Soucheib“, „Arschloch“, etc., man traut seinen Ohren nicht. Ohne jede Hemmung sprudelt die Fäkaliensprache. Laut und vernehmlich. Offensichtlich sind sich die Stammtischler ihrer Sprache nicht bewusst. Man spricht heute eben so. Wie einem der Schnabel gewachsen ist. Jene, die bei jedem „hocke“, „frässe und suufe“ sowie „schiisse“ zusammenzucken, sind selber schuld. Sie fühlen sich wohl als etwas Besseres. Das spielt überhaupt keine Rolle….
wie einige Leser Blogs beurteilen. Sie nehmen jedes Thema, ja jedes Wort für bare Münze. Sie können Fantasie und Wirklichkeit nicht auseinander halten. Sie begreifen nicht, dass Schreibende erfinden, fabulieren, in einem Wortrausch wie besessen nach den (für sie) besten Formulierungen suchen, Worte um der Worte willen gebrauchen, sich für Themen stark machen, die mit ihnen in keiner Beziehung stehen. Misslesern ist es offensichtlich nicht möglich, zu abstrahieren. Sie sind zwar gewiefte Verfasser von amtlichen Schreiben, Dekreten und Statuten, die alle Hand und Fuss haben, doch kein Quentchen von Fantasie aufweisen. Sie sollten sich zubilligen,Texte zu schreiben, in denen sie…
Augenblicke der Leere. Die Leere oder das Verstummen zu schildern, ist schwierig, es fühlt sich besser an, wenn die Worte nur so sprudeln. Wenn die Worte kleben und stecken, wenn im Gehirn alles zum Stillstand kommt, wenn die Ideen erliegen, könnte man ebenso gut oder schlecht tot sein, oder wünschte, tot zu sein. Man fürchtet, dass die Worte für immer versiegt sind, wähnt, zu verblöden. In solchen Augenblicken versucht man, Luft einzufangen, indem man die Hand bei grosser Geschwindigkeit aus dem Auto dem Fahrtwind entgegenhält, das Handgelenk strauchelt, die Luft entweicht, sie kann nicht bewahrt werden. Luftleere. Stellt sich nun…
Im Februar 2021 habe ich eine kurze Notiz gebloggt für jene allfälligen Leser, die meine Blogs nicht, aber auch gar nicht schätzen. Ich habe ihnen damals empfohlen, die Blogs nicht mehr zu lesen oder ihrem Missfallen ein Gesicht zu geben, also darauf zu antworten. Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Essayist, schrieb: „Feigheit, die Mutter aller Grausamkeit“. Eben, man tuschelt lieber, als Farbe zu bekennen. Einer jedoch mahnte völlig unbedarft, da er nie einen Blog gelesen hat und lesen wird, ich müsse aufhören, Blogs zu schreiben. Ich zensiere meine Antwort, um unnütze Scherereien zu vermeiden. Doch: Irgend ein Strich…
Die Stammtischler sitzen beim Feierabendbier, viel Feierabendbier und quatschen über Fussball. Alle applaudieren als einer lautstark verkündet: „Und diese verdammten Moslems, die wiederum nicht gesungen haben“. Am Nebentisch schüttelt eine ältere Frau wild ihren Kopf und bemerkt schneidend: „Diese Hymnensingerei ist doch ein alter Zopf, der aus der Zeit der Entstehung von Nationalstaaten stammt. Wenn sie schon singen müssen, so das Chanson von Jacques Brel, „Les bourgeois sont comme des cochons …“. Die Stammtischler verstummen, ihre Blicke verraten Mordlust, aber sie suchen keinen Streit. Fortan quasseln sie über Autos.
Die Diskussion dauerte die halbe Nacht. Der hochintellektuelle, verbitterte, resignierte, aber äusserst ärgerliche Franzose merkte auf als ich den Satz fast lächelnd aussprach: Ich gehöre nirgendwo hin. So habe er sich immer gefühlt: Nirgendwo dazugehörend, aber formuliert habe er es nicht. Im Unterschied zu Ihnen, fügte ich bei, gefällt und entspricht mir diese Erkenntnis. Ich möchte tatsächlich nirgendwo dazugehören. Er, der politische Journalist und Englisch-Französisch-Übersetzer von „romans qui font pleurer Margot“ sah mich zweifelnd an. Assoziierte er meine Aussage mit „chiens sans colliers“? Was nützt angesammeltes Wissen heutzutage? Er und ich ertrinken in einem Meer von Unzulänglichkeiten und Irrtümern. Ein…
