Alle Gäste mögen Diego. Er hebt sich von vielen Restaurantsbesitzern in Bern und Umgebung ab. Mit 6 Jahren aus Italien in die Schweiz gekommen, ist er ein richtiger Doppelbürger, er könnte Italiener als auch Schweizer sein. Allerdings verfügt die Italianità über einen kleinen Vorsprung, sei es in der Kleidung oder sei es in seinen eleganten Gesten. Diegos Berndeutsch ist lupenrein. Mit seinen 60 Jahren arbeitet er hart: von morgens 9 bis Beizenschluss, wobei ihn seine Frau, Francesca, über Mittag und am Abend, unterstützt. Mit ihren bald 60 Jahren sieht sie blendend aus, hat eine tolle Figur und ist immer sehr…
Jetzt konnte ich ihn mir als Chef, als „Führer“ im Militär und Beruf vorstellen. Ernst, streng, ein wenig aufgebracht, aber gerecht. Ich bekam eine regelrechte Standpauke. Warum? Wegen eines eben veröffentlichen Blogs über Französisch-Defekte von Muriger Lehrkräften. Rapportiert von einem 12-jährigen französischen Mädchen. Und das, ohne mit der Französischlehrerin und der Schulleiterin gesprochen zu haben. So etwas hätte ich als Journalistin nie getan. Das stimmt. Nun bin ich eben vogelfrei und kann schreiben, was und worüber ich will. Und je älter ich werde, desto radikaler bin ich. Selbstverständlich verteidige ich mich. Bei diesem Blog ging es mir darum, meiner Sorge,…
Es geht um eine Primarschule in Muri b. Bern. Und um die Französisch-Probleme in dieser Schule. Vier Kinder zwischen 3 und 12 Jahren wandern aus Frankreich nach Muri b.Bern aus oder, wenn man will, zurück. Ihre Mutter, eine zweisprachige (Deutsch-Französisch) Deutschschweizerin, wagt den Versuch, die drei schulpflichtigen Kinder, die bisher lediglich französische Schulen besuchten, in den Deutschschweizer Unterricht zu schicken. Das ältere Mädchen und ihre beiden jüngeren Brüder nehmen tapfer an den für sie in fremder Sprache abgehaltenen Lektionen teil, lernen relativ schnell. Der eine Knabe verweigert sich dem Dialekt, er will nur Hochdeutsch sprechen. Das Mädchen, in Frankreich besuchte…
Schauplatz: Kurzparking am Bahnhof Bern. Ich bin im Begriff, meinen Nachbarn abzuholen und da er etwas gehbehindert ist, bin ich froh, ganz in der Nähe des Ausgangs einen Parkplatz gefunden zu haben. Ein kleines Auto klemmt mich beängstigend ein. Der jüngere Besitzer steigt aus und eilt, sein Handy schwingend, in den Bauch des Bahnhofs. Mittlerweile ist mein Nachbar aufgetaucht, hat sein Gepäck verstaut, ist eingestiegen und stopft seine Pfeife. Nach einer Weile ist der Einklemmer noch nicht zurückgekehrt, also starte ich den Motor und fahre in Schritttempo rückwärts. Sanft touchiere ich die Stossstange des kleinen Autos, das mir keinen Platz…
An jenem Tag herrschte eine Hitze wie fast jeden Tag. Nach dem sengenden Aufstieg zum Chutzen (Belpberg) und einer Verschnaufpause im Restaurant und auf dem Panoramablick ging es wieder bergab. Im Restaurant Chutzen feierte eine kleine Gesellschaft die Hochzeit eines jungen Paares. Braut und Bräutigam – sie fast noch ein Teenie, blond, in einem leichten weissen Sommerkleidchen – er braungebrannt mit halblangen dunklen Haaren, in Bermudas und Turnschuhen, selbstverständlich sockenlos – liessen sich – wie heute üblich -von den ausnahmslos mit Handies bewaffneten Verwandten und Freunden, auf dem Panoramablick freudestrahlend ablichten. Auf der Hälfte des Abstiegs hörte ich jemanden hinter…
Den Rauchern ergeht es ähnlich wie den Autobesitzern. Mit hinterhältigen Tricks versucht man – man? – seit einiger Zeit uneinsichtige, also missliebige Personen zu erziehen. Unversehens prangten in Bern auf fast allen Strassen Schilder mit einer 30 km-Beschränkung. Auf dass die Velofahrer – pardon Biker – dank ihren potenten Zweirädern Autos von rechts überholen und sich hämisch grinsend direkt vor ihnen positionieren. Und wehe, man kommt ihnen zu nahe. Dann schreien sie hässliche Worte und vollführen noch hässlichere Gesten oder hauen mit der Faust aufs Blech. Die kostengünstigen Denner-Feuerzeuge veränderten sich über Nacht. Ich brauche zwei Daumen, um ein Feuer…
Mein Laptop, mein unverzichtbarer Laptop, mein Laptop, der mir jahrelang treu ergeben war, der meine Wünsche lückenlos erfüllte, der mir so nahe stand wie kaum ein beseelter Mensch, mein Laptop liegt im Sterben. Ist er moribund, weil er wegen eines heftigen Gewitters im Regenwasser stand? Ist seine Zeit abgelaufen? Hat der Mohr -ja, der Mohr (das ist von Schiller) – seine Schuldigkeit getan und kann gehen? Habe ich ihn müde getippt? Leidet er etwa unter meiner ständigen Beanspuchung an einem Burnout? Mein Computer-Guru sagt pragmatisch: ein neuer Laptop muss her. Eine kotspielige Angelegenheit … Der Laptop bekundet seine letzten Züge,…
Die Seniorenresidenz Senevita-Multengut, Muri, nahm an einer Veranstaltung der Senevita AG in Ittigen anfangs Mai 2022 teil unter dem Titel „Individualität im Alter“. Was an dieser Veranstaltung von Fachleuten vorgetragen wurde, tönt vorbildlich. Es entspricht aber nicht der Wirklichkeit. Wird zur Kenntnis genommen, dass die heutigen Alten anders sind als vorher? Es sind ehemalige 68er, sie sind politischer, aufgeschlossener, vernetzter. Anstatt „café complet“ essen sie am Abend lieber ein Steak oder einen Veggie-Burger. Sie sind auch individualistischer und haben eine klare Vorstellung, wie sie ihr Alter gestalten möchten. Vor allem, wenn sie sich relativ guter Gesundheit erfreuen, möchten sie unabhänig…
Bin ich nicht ein Opfer meiner selbst, wenn ich dauernd in Geldnöten stecke? Mein ehrenamtlicher Finanzberater hat recht, mich mit Vorwürfen zu überschütten, da ich einfach zu viel Geld verpulvere. Er hat auch recht, mir vorzuwerfen, ich sei uneinsichtig. Ich habe es nicht gelernt, ich lerne es nicht, mit weniger Geld als früher auszukommen. Mein Finanzberater behauptet, ich verfüge über mehr Geld als viele vierköpfige Familien. Sparsamkeit ist für mich der Gipfel des helvetischen Bünzlitums. Ordnung ebenfalls. Ich lebe in einem Chaos ohnegleichen. Muss ich mit 82 Jahren meine Mentalität ändern? Ja, ich müsste. Besonders, da ich langsam einsehe, dass…
Ein entfesseltes Gewitter tobt über Muri. Blitze jagen am dunkelrosa Nachthimmel, Donner kracht einen Augenblick später mit einer angsterregenden Lautstärke; dann setzt Regen ein, Regensturm, Wasserfontänen, die auf Rasen und Weg einpeitschen. Ich sitze auf der Veranda, lichtlos, lediglich das grellrote Aufleuchten und das Grollen als Begleitung. Der filigrane Vorhang einer verblühten Clematis gibt Schutz vor den fetten Tropfen, die mitunter schräg auf dem Verandaboden explodieren. Es ist noch immer heiss, schwül, drückend, trotz des Gewitters. Da sitze ich und beruhige meinen Hund, der mich vor 13 Monaten verlassen hat, und schreckliche Angst vor Gewittern erlebte, so dass sie, die…
