„Die Liebe ist eine Himmelsmacht“, heisst es im „Zigeunerbaron“ von Johann Strauss. Dass sie vielfach eher eine Höllenmacht ist, zeigen erkleckliche Beispiele aus der Literatur und der näheren Umgebung. Der oder die Liebende, also jener oder jene, die in einer Liebe völlig aufgeht, einer Liebe, die unerwidert bleibt, leidet. Er oder sie gibt und gibt und gibt und steht schliesslich mit leeren Hosentaschen da. Er oder sie gehört zu den seligen Gebern, die nicht daran denken, etwas zurück zu bekommen. Obwohl die Apostelgeschichte 20,35 die frommen Christen lehrt, dass geben seliger ist als nehmen, muss an diesem Bibelwort gezweifelt werden….
Der Schweizer ist ein ungeselliges Wesen. In Tram, Bus, Eisenbahn und Restaurant steuert er auf einen leeren Platz zu und verschanzt sich hinter dem BLICK. Wird er gefragt, ob noch ein Platz neben ihm frei sei, brummt er ungnädig und würgt ein unwirsches Ja heraus. Und nun nach 827 Jahren (stimmt nicht ganz, eigentlich 802 Jahren) wird er in der Stadt Bern aufgefordert, hinter seinen sieben Bergen hervorzukriechen und den „öffentlichen Raum“ zu beleben. In den Quartieren werden Begegnungszonen geschaffen, in der Innenstadt Bänke aufgestellt und, wer weiss, bald auch die A1 zu Brätliplätzen umfunktioniert. Wissen Sie was dort geschehen…
Das Mettlenquartier in Muri ist beliebt als „Spielwiese“ für Autofahrlehrlinge und sie zurecht weisende Fahrlehrer. Da plagte sich einer der Schüler beim Parkieren, man lachte sich ins Fäustchen und hob den Blick. Und was las man auf Schild, das auf dem Autodach angebracht war? „Fahrschulerei“. Fahrschulerei? Auf Google gibt es dieses neudeutsche(?) Wort nicht. Frage: Ist eine Fahrschulerei mehr als eine Fahrschule? Die Endung „erei“ hat doch oft eine negative Konnotation, Beispiele: Vereinsmeierei, Schweinerei, Stänkerei, Streiterei, Neiderei, Lügerei, Raserei, Fragerei, Gaunerei, Keiferei, Petzerei, Sauferei, Zankerei, etc. Also warum den Begriff „Fahrschule“ verhunzen? Wenn die Endung „erei“ Schule machen sollte, dann…
In einer Sendung von Tele Bärn wurden einige Kinder, die an einem Fussballcamp teilgenommen haben, interviewt. Ob Buben oder Mädchen, alle verwendeten das Adjektiv cool mehrere Male in ihren Antworten. Manche äusserten sich nur mit cool, ohne ein anderes Wort auszusprechen. Die Jugendsprache ist ein altbekanntes Thema. Dass aber auch, wenn man sich etwas umhört, selbst ausgewachsene Menschen dauernd cool sagen, ist doch sehr bemühend. Es geht bei dieser Feststellung nicht ums Englische, sondern um das eher dürftige Vokabular von Jung und Alt. Synonyme für cool gäbe es zuhauf … .
Wäre der 1. August nicht ein Fake, sondern geschichtlich erwiesen, könnte man sich vielleicht dafür erwärmen. Das Datum des 1. Augusts ist ein Konstrukt: Der Tag wurde erstmals am 1. August 1891 gefeiert und ab 1899 in der gesamten Schweiz jährlich wiederholt. Der 1. August als Datum des Rütlischwurs ist jedoch historisch nicht belegt (der Geschichtsschreiber Aegidius Tschudi setzte in seiner Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Schweizer Chronik das Datum des Rütlischwures auf den „Mittwoch vor Martini“ 1307 fest, also auf den 8. November 1307). In diesem Jahr kommen die notorischen Knaller nicht auf ihre Rechnung, da das Abbrennen von…
Männiglich hat mitgefiebert an der Fussball-WM dieses Jahres. Die Schweizer Mannschaft wurde bei ihrem Einzug in den Achtelsfinal bejubelt. Doch dort kam das Ende für die Schweizer, sie verloren gegen Schweden und schieden aus. In den Medien folgten lange Erklärungen, die das Scheitern der Schweizer Mannschaft zu relativieren versuchten. Misserfolge können zu Erfolgen umgeschrieben werden. Oder etwa umgekehrt? Dieser Tage wurde bekannt, dass die Schweizer Degenfechter zum ersten Mal überhaupt Mannschafts-Weltmeister geworden sind. Diese Mannschaft war zusammengesetzt aus zwei älteren, sehr erfahrenen Fechtern und zwei jungen Sportlern, von denen der eine zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnahm. Die Schweizer…
In der Gemeinde Muri b. Bern griff ein Rottweiler ein Kind an und verletzte es beträchtlich. Der Hund wurde sofort getötet. Die „Lokal-Nachrichten von Muri, Gümligen und Allmendingen“ berichtet in der neuesten Ausgabe über diesen bedauerlichen Zwischenfall, der offenbar schweizweit Aufsehen erregte. Es ist nicht bekannt, ob sich das Kind hundegerecht verhielt. Als Besitzerin eines äusserst friedlichen Border Collies begegnen mir oft Kinder, die – meist zusammen mit ihren Eltern – völlig panisch auf Hunde jeglicher Rassen reagieren. Gekreische der Kinder und dumpfe Drohungen der Eltern können Hunde, falls sie charakterlich nicht gefestigt und unsicher sind, zu Angriffen provozieren. Man…
Man wähnt sich bei Spitalaufenthalten in der guten, alten Swissair. Je nach Klasse wurde man beschenkt oder eben nicht. Seitdem Berns Spitäler von Ökonomen geführt werden, bekommen die Patienten, pardon Klienten, wohl auch klassenabhängig Geschenke. Privatpatienten werden mit Salz- und Pfeffermühlen bedacht, Halbprivaten gibt man zum Abschied eine grosse Züpfe mit einem Glas Honig mit auf den Weg. Die Klienten der Allgemeinen Klasse gehen wohl leer aus. Das erinnert an eine Klinik irgendwo in den Bergen: Privatpatienten verfügen kostenlos über einen Internetanschluss. Die allgemein Versicherten müssen für denselben Anschluss bezahlen. Hirnrissig: Jene, die mehr Geld haben, bekommen eine Dienstleistung gratis,…
Ist man deprimiert, kommt man bei 3+ auf andere Gedanken. Die Sendung „Bauer ledig sucht …“ ist geeignet, sich abzulenken. Einige Bauern hatten die Qual der Wahl: Sie mussten sich unter zwei bis drei Frauen entscheiden, welche die Richtige für die Hofwoche sein könnte. Sie rangen hart und versuchten, die Frauen auszuforschen. Diese zeigten sich von ihren besten Seiten, waren willig, auf dem Hof mitzuhelfen, die müden Bauern nach ihrer anstrengenden Arbeit aufzulockern mit einem „schönen“ Essen, Kuscheln auf dem Sofa, einem erholenden Spaziergang und so weiter. Die Qual der Wahl wurde umso schwieriger. Den meisten Bauern gelang es, sich…
In einem Gartenrestaurant in der Umgebung von Bern sitzt sich ein nicht mehr ganz taufrisches Paar gegenüber und jeder liest in einem Teil des Blicks. Er trinkt seine Biere direkt aus der Flasche, sie leert Ballon um Ballon mit Weisswein. Sie sprechen nicht, jeder ist in die Lektüre vertieft. Nach dem neuerlichen Bestellen tauschen sie die Blickteile. Schweigen, Trinken, Lesen. Sie hat sehr kurz geschnittenes, blond gefärbtes Haar. Er ist kahl, aber beschnauzt. Sie trägt weisse Jeans, er die in diesem Jahr von allen Bernern welchen Alters auch immer getragenen Bermudas, dazu die in diesem Land für Männer obligaten Socken…
