Es war einmal ein kleines, fettes Fröschlein. Höhere Weihen waren für es im Lebensplan nicht vorgesehen. Die Fröschin war in eine kinderreiche Familie hineingeboren worden. Anstelle der Vornamen trugen alle seine Geschwister Nummern, das heisst, römische Zahlen. In einem Familien-Heftli, nein,es war nicht der „Hinkende Bot“, hatte die Mutter zum ersten Mal die römischen Zahlen zu Gesicht bekommen. Die Formen dieser Zahlen beeindruckten sie, so dass sie beschloss, ihre Kinder römisch zu nummerieren. Mit der Nummer XIII hatte das kleine Fröschlein nur noch ein Ziel, nämlich als Froschkönigin den „prince charmant“ zu erobern, um dem familiären Umfeld zu entrinnen. Unter…
Es ist meines Fernsehers Schwanengesang. Der Jahrgang des Kastens ist nicht mehr eruierbar, seine Bildschirmgrösse löst bei vielen Leuten ein mitleidiges Gelächter aus und es fehlen die heute üblichen Apps wie Netflix, Youtube und Holly Star, die den Zugriff auf „eine riesige Welt voller spannender Unterhaltung“ bieten. Es ist ein Armutszeugnis, auf eine solche Unterhaltung mit „unglaublich realistischen Bildern“, wie ich sie noch nie gesehen haben soll, freiwillig zu verzichten. Da der alte Kasten nun Geist und Körper aufgibt, wird es mir vergönnt sein, „ausdrucksstarke Details in leuchtenden Farben, so natürlich wie nie zuvor“, zu erleben. Erlebnis, ein Muss-Wort dieser…
„History“ auf ZDF-info berichtete einen Abend lang über die Neonazis in Deutschland und den USA. Diese Szene erlebt einen grossen Aufschwung und ist weltweit vernetzt. Die Neonazis wittern Morgenröte: Sie werden wieder akzeptiert und wagen es deshalb, sich öffentlich zu zeigen und vor allem ihre unglaublichen Aggressionen auszuleben. Es entstehen immer mehr Gruppen – Gruppen, die verboten werden, bilden sich unter einem anderen Namen neu. Der Verfassungsschutz in Deutschland stufte bisher die linken Vereine und Islamisten als gefährlich ein, übersah jedoch, dass die Neonazis eine weit grössere Bedrohung darstellen. Die Neonazis sind Hassbürger. Sie hassen alles Fremde, weil sie Angst…
Im Augenblick sind die Jungen nicht gut zu sprechen auf die Alten. Um die alten Menschen vor einer Corona-Ansteckung zu schützen, werden die jungen Menschen in ihrer Freiheit arg eingeschränkt. Dass sie deswegen auf vieles verzichten müssen, ärgert sie. Wenn man jung ist, muss einen solche Massnahmen masslos nerven. Die alten Menschen ärgert es, dass alle ausnahmslos in die selbe Kategorie eingereiht werden, nämlich in die Risikogruppe. Selbst bei gewissen physischen Beeinträchtigungen ist das biologische Alter nicht unbedingt zutreffend. Wenn die Beine mitunter dem Geist hinterherhinken, deutet das nicht auf ein geschwächtes Immunsystem. Bei der Zuordnung Risikogruppe wurde lediglich die…
Man erinnert sich kaum noch: Vor relativ kurzer Zeit verurteilten die Grünen, die Umweltfetischisten und Naturschützer die Benzinautos. Als Automobilist war man dermassen eingeschüchtert, dass man nur mit schlechtem Gewissen sein Vehikel aus der Garage nahm. Unablässig wurde einem die Benutzung des öffentlichen Verkehrs nahe gelegt, ja eingetrichtert. Und siehe da: In der Zeit der Pandemie gab es ein Rechtsumkehrt. Auf den öV müsse, wenn immer möglich, verzichtet werden. Angesichts der drohenden Ansteckungsgefahr empfahlen die Behörden eindringlich, das eigene Auto zu benützen. Ähnliches geschah mit dem Burka- oder Verhüllungsverbot, welches vom Egerkinger Komitee als Volksinitiative lanciert wurde. Die Motion im…
Die Türen der Buchhandlungen sind geschlossen. Auch die Bibliotheken sind verriegelt. Und in den Grossverteilern und Kiosken sind die Regale mit den Büchern verklebt. BLICK ist jedoch tagtäglich erhältlich. Die NZZ glücklicherweise ebenfalls. Vor allem Menschen über 65 Jahre wurden dekretiert, zu Hause auszuharren. Ohne Bücher? Gekaufte oder ausgeliehene? Aber natürlich, man kann sie ja bei Amazon bestellen. Falls man einen Computer hat. Wieviel Prozent der Rentner besitzt einen Computer? Und ist man jetzt nicht solidarisch mit den Miteidgenossen? Dann würde man nicht bei Amazon online bestellen, sondern eine einheimische Buchhandlung bevorzugen. Das Problem liegt allerdings anderswo. Nämlich im Missbehagen…
Sie waren etwa gleich alt und starben beide früh an Krebs. Das ist die einzige Gemeinsamkeit der beiden Frauen. K. war sehr gross, kräftig, sportlich, laut und intelligent. M. war klein, schmächtig, magersüchtig, leise und intelligent. K. fiel in der Masse auf, sie beanspruchte viel Raum und zog die Aufmerksamkeit auf sich. M. verschwand in der Masse, machte sich kleiner als sie war und wollte ja nicht auffallen. K. stammte von einem Bauernhof und bestand problemlos die Matur. M. stammte aus einer Lehrerfamilie und verliess freiwillig das Gymnasium vor der Matur. K. studierte Philosophie, arbeitete nach dem Studium als Journalistin,…
Es wird wieder mehr gestorben heute. Das Virus mache uns gleicher, lässt Katja Rost, Professorin für Soziologie an der Universität Zürich, in einem Interview, erschienen im BUND (21. März 2020), verlauten. Das Interview endet benahe prophetisch: „Das Virus verschont tatsächlich weder Arme noch Reiche, weder Industrie noch Entwicklungsländer. Das Virus macht uns gleicher“. Diese Aussage weckt Erinnerungen an die Bilder des Totentanzes. Der Totentanz oder Makabertanz (französisch „Danse macabre“) ist die im 14. Jahrhundert aufgekommene Darstellung des Einflusses und der Macht des Todes auf und über das Leben der Menschen. Von 1347 bis 1353 starb etwa ein Drittel der europäischen…
Stellen Sie sich vor: Sie haben einen Feind oder mehrere, die Ihnen viel Schlechtes angetan haben. Dank der augenblicklichen Pandemie haben Sie ein sicheres und unverfängliches Mittel, sich zu rächen. Sie bitten einfach einen Infiszierten, in ein Taschenbtuch zu husten und sich damit die Nase zu putzen. Mit dem ansteckenden Taschentuch in einem Plastikbeutel rasen Sie vorerst zu einem der Feinde, einen nicht mehr zu jungen und eher versehrten, schütteln das Tuch vor seinem Gesicht aus und verschwinden. Das Taschentuch versenken Sie in der Waschmaschine und warten. Haben Sie Glück, vernehmen Sie über das Buschtelefon, dass dieser Feind erkrankt ist…
