Man nennt mich „Gluggere“, weil ich meine Hündin, die seit 12 Jahren mein Leben teilt, nicht unnützen Gefahren aussetze. Bei Strassen mit Verkehr nehme ich sie immer an die Leine, das gibt ihr auch eine Art Schutz. Sobald ich sie nicht mehr sehe, rufe ich ihr. Des Nachts im Sommer liebt sie es, draussen zu sein. Aber ich lasse sie nicht über Nacht im Garten, obwohl er eingezäunt ist. Fast jeder Hundebesitzer (grässliches Wort, ich besitze meine Hündin nicht) glaubt, sein Hund sei der beste, schönste, liebste, kurz ein Traumhund. Meine Border Collie (Dreiviertel Border Collie, einen Viertel Appenzeller) Hündin…
Ich habe über alles geschrieben. Nein, hast du nicht. Nur über lokalen Mist. Und über eine Sportart. Nein, das stimmt nicht. Lokale Politik zum Beispiel ist ein Teil der globalen Politik. Blablabla. Was hat ein Gemeindeparlament mit dem amerikanischen Parlament gemein? Du willst mich einfach klein haben. Dies hat meinen Schreibfluss auch gestoppt. Vielleicht hast du bereits über alles geschrieben? Sag ich doch. So ein Quatsch. Du hast über vieles auf kleinem Niveau geschrieben. Weiter bist du nicht gekommen. Was meinst du mit weiterkommen? Niemand hat dich zu Höherem berufen. Kein respektables Blatt hat dir ein Angebot gemacht. Du bist…
… lehren den Sportreibenden das Verlieren. Tränen nach einem verlorenen Kampf fliessen nicht nur bei jungen Fechtern, sondern auch bei Mitgliedern der Nationalmannschaft. Dabei kommt es natürlich darauf an, zu welchem Zeitpunkt des Turniers man eine Niederlage erleidet. In der Vorrunde eines Wettkampfs ist eine Niederlage weniger wichtig, als in den folgenden K.O.-Ausscheidungen, die einen bei einer Niederlage gnadenlos ins Aus befördern. Nach der 100. Niederlage hat man sich ans Verlieren gewöhnt. Aus Erfahrung weiss man, dass man heute gewinnen und morgen verlieren kann. Man hat auch gelernt, dass man sehr früh ausscheiden kann, wobei die Gegner wesentlich schwächer sein…
Es ist erstaunlich, dass kaum Nachforschungen unternommen worden sind, als die Migros plötzlich die beliebten Mohrenköpfe aus dem Sortiment nahm, da sie einen Begriff als rassistisch einschätzt. Der Mohrenkopf gehörte seit Jahrzehnten zum deutschen Vokabular. Es ist ein Jammer, wie wenig geschichtliche Kenntnisse selbst in einem der grössten Detailhandelsunternehmen der Schweiz, der Migros, vorhanden sind. In alten Akten tauchte das Wort „Mohrenkopf“ erstmals im Jahre 1493 auf. Damals liess sich ein Zinngiesser nieder, der die Auflage bekam, seine Ware neben seinem Meisterzeichen mit dem Mohrenkopf zu versehen. Der älteste Abdruck des Stadtsiegels mit dem Mohrenkopf stammt von 1521. Die ersten…
„Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Ein damit korrespondierender allgemeinsprachlicher Begriff ist Einfühlungsvermögen.“ (Wikipedia) Während meines Lebens ist mir der Glaube an Empathie verloren gegangen. Sie existiert möglicherweise unter eineiigen Zwillingen, aber selbst Geschwister, Verwandte und nahe Freunde sind nicht imstande, Empfindungen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und nachzuempfinden. Kann ich die tiefe Trauer einer Bekannten, die ihren Gatten verloren hat, nachempfinden? Nein. Ich stecke in meinem Leben, meinen Erfahrungen und in meiner Befindlichkeit, die sich aus positiven und negativen Vorkommnissen…
Der Präsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Gottfried Locher, musste zurücktreten. Die Weiblichkeit wurde dem verheirateten Pfarrer zum Verhängnis. Er soll „Grenzverletzungen“ – was alles dies heissen mag – begangen haben. Er hat seine Affären schlecht bewirtschaftet, er hätte sie besser verstecken müssen, um nicht als „Sünder“ dazustehen. Die evangelisch-reformierte Kirche handelte mit ihrer Verurteilung von Lochers Privatleben unchristlich. Der Einwand, er müsse ein Vorbild für die reformierte Kirche im Land sein, ist nicht mehr zeitgemäss, zumal die heutigen Vorbilder aus Sport und Unterhaltungsindustrie stammen. Pfarrer sind so wenig Vorbilder wie früher Lehrer, Polizisten und Bundesräte. In Johannes 8,1–11, geht es um…
In einem Artikel des BUND vom 29.5.20 schreibt Michael Marti unter dem Titel „Eine nationale Tragödie: „… Politiker, Intellektuelle, am schrillsten Kulturschaffende wiederholen in diesen Wochen wie ein Mantra Kultur sei ein „menschliches Grundbedürfnis“, eine „Notwendigkeit“ und eine „Grundlage des Seins“. Machen wir uns nichts vor: Auf eine breite Bevölkerung trifft das nicht zu. Die will ins Gartencenter, zum Coiffeur oder versammelt sich in der Illegalität, um Fussballspiele zu inszenieren … . Der Lederball motiviert mehr aufwieglerische Kraft als die gesamte Schweizer Kulturszene … .“ Wussten Sie, dass 800’000 Menschen in der Schweiz einen ganz einfachen Text nicht richtig verstehen…
Dies sprach der 33-jährige russisch-deutsche Pianist Igor Levit, bevor er sich an den Flügel setzte. Als er aus den Goldberg-Variationen die Aria spielte, überwaltigte mich ein selten auftauchendes Glücksgefühl. Und eine Erkenntnis aus der tiefsten Tiefe meiner selbst. Levits Aussage ist doppelschneidig. Er richtet sie an sich, an seine Kunst. Sie spornt ihn an, am Tag danach noch besser zu spielen. Das Verb „sich zufriedengeben“ ist in diesem Sinn wohl ein Ausdruck für Mittelmässigkeit und Selbstzufriedenheit. Die andere Seite dient den Ehrgeizigen, sich rücksichtslos nach vorne zu drängen. Der Satz bedeutet auch Expansion, wie zum Beispiel das Abholzen von Urwald,…
„Nach einem langen, erfüllten Leben …“. Tim erbettelte sich das Katerchenn, zusammen mit dessen Muttter, als er sieben Jahre alt war. An seinem heutigen, 27. Geburtstag, starb der Kater mit 20 Jahren. Tim und sein Vater hoben das Grab aus, wir alle schwiegen bei der Grablegung, eine wandte sich weinend ab. Ich. Er änderte seine Liegeplätze oft. Eine seiner Lieblingsstätte war eine Kartonschachtel, viel zu klein für ihn, doch es gelang ihm, sich hinein zu winden. Sie war mit allerlei Papier gepolstert. in dieser Kartonschachtel schlief und wachte er. Vor etwa 10 Jahren mietete ich, eine Hundefrau, ein Haus…
Es war einmal … oder es war so: Ich sterbe und es ist wie das Eintauchen in einen tiefen, schweren Schlaf. Als ich erwache befinde ich mich in einem riesigen Saal vollgestellt mit Vexierspiegeln. Ich betrachte die verzerrten Bilder von mir, die von der Geburt an bis zum Tod mein Leben dokumentieren. Dass ich in einem Spiegel spindeldürr und im nächsten kugelrund bin, lächert mich. Ein fou-rire erfasst mich, und ich kann nicht aufhören, zu lachen. Plötzlich tritt zwischen den Vexierspiegeln eine jüngere Frau auf mich zu. Sie sieht aus wie eine Bankangestellte, trägt ein Deux-Pièces, Strümpfe und Schuhe mit…
