28. Juli 2020 Doris Schöni

Der Begriff „burn-out“ hat sich zu einem Modewort entwickelt. Die Symptome des „burn-out“ werden folgendermassen beschrieben: Erschöpfung, Energiemangel, Schlafstörungen,  Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Insuffizienzgefühle, Entscheidungsunfähigkeit. Nicht nur Spitzenmanager, sondern auch umtriebige Politiker auf allen Stufen leiden unter dieser Krankheit; sie gehört fast schon zum guten Ton, also wird sie wohlwollend beurteilt. „Burn-out“ oder eben Ausgebranntsein ist wohl auch ein Zeichen dafür, Veränderungen ins Visier zu nehmen und Vergangenes aufzuarbeiten. Die meisten Menschen sind Künstler im Verdrängen. Verdrängt wird, um sich nicht mit unbequemen Tatsachen auseinander zu setzen. Aber es ist eben einfacher, sich paradiesvogelhaft durchs Leben zu mogeln. Sich mit Euphemismen…

24. Juli 2020 Doris Schöni

Seitdem das Fahrrad zur Krone der Schöpfung erhoben wurde, geriet das mit Benzin betriebene Auto ins Abseits. Radfahrer schleudern einem die Faust auf die Karosserie, wenn sie gerade schlechter Laune sind und stossen wüste Beschimpfungen aus, sollte man ihnen ein Zentimeterchen zu nahe kommen. CO2 verursachende Autolenker wurden derart eingeschüchtert, dass sie wie Velos autofahren, das heisst: Im Schneckentempo. In Stadt und Agglomerationen wurden still und heimlich die Geschwindigkeiten massiv gesenkt, als ob langsam fahrende Automobile weniger Schadstoffe ausstossen und der Verkehr damit leiser würde. Es gibt kaum noch Strassen, auf denen schneller gefahren werden darf als mit 20, 30…

22. Juli 2020 Doris Schöni

Die Schweizer Restaurants haben wegen der Pandemie Verluste erlitten. Viele, die sich kein Polster hatten anlegen können, mussten ihre Betriebe schliessen. Tragödien ereigneten sich. Aber: Von Gasthöfen und Restaurants ausserhalb einer Stadt, viele davon mit einer langen Geschichte, erwarten mindestens die Stammkunden eine besonders aufmerksame und freundliche Behandlung. In von Schweizern geführten Betrieben mit oft lokaler Bedienung erlebt der Gast gestresstes, nervöses und ausgebranntes Personal. Der Gérant eines Gasthofes in der Nähe von Bern war derart missgelaunt, dass er einer viel älteren Stammkundin, die sich erlaubt hatte, in der noch geschlossenen Beiz Wasser für die Hunde zu besorgen, ein Hausverbot…

20. Juli 2020 Doris Schöni 1Comment

Mein Cousin aus Haifa, etwa gleichaltrig, las und liest sozusagen dieselben Bücher wie ich. Er auf Hebräisch und Englisch, ich auf Deutsch und Französisch. Eine Koinzidenz der besonderen Art. Wir sind völlig anders aufgewachsen, haben unterschiedliche Schulen besucht und übten keine ähnlichen Berufe aus. Beide hatten verschiedene Stellen inne. Und: Er hätte wie ich lieber einem anderen Broterwerb ausgeübt. Mein bester Freund und Nachbar ist eine Leseratte im wahrsten Sinn des Wortes.Er liest querbeet philosophische und historische Bücher, Bestseller, Biografien, Kunstbücher, spanische und südamerikanische Autoren, englische Kurzgeschichten und vieles mehr. Er empfiehlt und tauscht Bücher, diskutiert über Bücher, kauft sie…

18. Juli 2020 Doris Schöni

… wird die Erde untergehen. Nach den neuesten Forschungen von Astronomen, Physikern und Chemikern wird die Erde im Jahr 2079 vernichtet. Entweder wird sie von einem schwarzen Loch verschlungen,von Meteoriten bombardiert oder von tödlichen Strahlen aus dem All beschossen, die sämtliches Leben auf der Erde auslöschen. In einer Dokumentation des TV-Senders WELT wurden in einem Countdown die der Erde und ihren Bewohnern verbleibenden Jahre antizipiert. Dabei tauchten spannende Themen auf, und zwar als eine Art Spiegel der heutigen Gesellschaft. Eine Rettung ausgesuchter Menschen, die sich mit einem riesigen Raumschiff auf die Suche nach einem neuen Planeten, die „Welt 2“, begeben….

16. Juli 2020 Doris Schöni

Über manchen europäischen Ländern, darunter vor allem Deutschland, und den USA hängt das Damoklesschwert Rechtsextremismus an einem seidenen Faden. Die Nazis sind im Kommen. Es ist ihnen wieder erlaubt zu demonstrieren, sich zu versammeln und Hassreden in hitlerscher Art zu halten. Sie marschieren durch die Städte und Agglomerationen mit Hakenkreuz-Fahnen und schreien ungeahndet: „Wer Deutschland liebt ist Antisemit“. Die Politiker geben sich beschämt und versprechen, das braune Ungeheuer zu stoppen, aber nichts geschieht. Wenn man bedenkt, dass es in Deutschland während des Dritten Reichs etwa 100’000 Täter gab, von denen lediglich einige Tausend verurteilt wurden, kann man sich vorstellen, dass…

14. Juli 2020 Doris Schöni 1Comment

Bei griechischen Philisophen, die vor dem Jahr Null lebten und lehrten, findet man in Nachschlagewerken meist den Satz: „Beeinflusst von“ und es folgen Namen berühmter Männer. Haben wir uns je gefragt, wer und was uns beeinflusst und beeinflusst hat? Als Kind zerriss ich die Bücher meiner Schwester, als Zehnjährige verschlang ich den Struwwelpeter, aber auch Erich Kästner, mit 15 erschauerte ich und kam mir etwas näher beim Lesen von Hermann Hesse, ein bisschen später war ich fasziniert von Thomas Mann und Max Frisch, aber auch von Ernest Hemingway. Dann folgte eine sehr intensive Phase mit Jean-Paul Sartre, Albert Camus und…

13. Juli 2020 Doris Schöni

Es ist sehr schmerzhaft, eines Tages zu erleben, dass sich langjährige Freunde, zwar nicht zu Feinden, aber zu Nicht-mehr-Freunden entwickelt haben. Die grundlegende Frage dabei ist: Ist es Freundschaft, wenn man die Gefühle und Befindlichkeiten des Freundes nicht nachempfinden oder mitempfinden kann? Im Sport lernt man, sich für seine Mannschaftsmitglieder zu 100 Prozent einzusetzen. Wenn sie einem einen Sieg vermasseln, tröstet man sie, anstatt sie zu rügen. Dass man für einen Freund durch dick und dünn geht, ihn wie ein Löwe verteidigt, selbst wenn der Freund andere Auffassungen hat, wäre eigentlich selbstverständlich. Freundschaft gebietet Loyalität, auch gegen die eigene Bequemlichkeit….

6. Juli 2020 Doris Schöni

Im Grunde genommen wäre diese Folge erfreulich, denn Velos sind umweltfreundlich, das Radeln ein Gesundbrunnen und völlig imTrend. Die Wirklichkeit jedoch ist ganz anders. Die Radfahrergemeinde birgt eine grosse Zahl von Fanatikern und rücksichtslosen Rüpeln, die achtlos mit der Natur und ihren Mitbürgern umgehen. Beispiel Belpberg: Eine steile Strasse führt zum Restaurant Chutzen. Daneben gibt es enge Waldwege, versehen mit Stock und Stein, also Wurzeln und kleinen Felsbrocken. Ein anderer Weg geleitet die Wanderer über Wiesen, Felder und eine Bergkuppe zum Restaurant. Beide Wege sind wegen des aufsteigenden Geländes recht anspruchsvoll, doch die Stille und Besinnlichkeit kompensieren den schweisstreibenden Aufstieg….

5. Juli 2020 Doris Schöni

„Die Misanthropie im Alter ist weniger Hass gegen als Übersättigung mit Menschen“. (Jean Paul [1763-1825]). Sowie Philanthropen als auch Misanthropen können Eigenschaften des Gegenübers aufweisen. Gibt es nicht auch Menschen, die nicht alle Menschen, sondern „nur“ gewisse Menschen hassen? Die eine und die andere Lebensart kann zu Problemen und Schwierigkeiten führen. Einige Menschen zeigen wohl Philanthropen gegenüber ein gewisses Lächeln und bezeichnen sie als „Gutmenschen“. Es kann geschehen, dass sie betrogen werden, ihre Gutmütigkeit ausgenützt wird, sie verspottet werden. Möglich ist, dass Philanthrope nicht konfliktfähig und harmoniesüchtig sind. Sie pflegen den Euphemismus, wie sonst könnten sie an garstigen Mitbürgern noch…