Gerüchte entstehen, weil es heute Menschen gibt, die nicht verstehen, was sie lesen. Sie missdeuten Texte, da sie alles Geschriebene wörtlich, ja buchstäblich, nehmen. Sie sind nicht in der Lage, zwischen den Zeilen zu lesen. Sie glauben, alles Geschriebene sei wahr, da ihnen eine differenzierte Sprache nicht vertraut ist. Es geht vielen von ihnen nicht um den Text, den sie lesen, sondern um die Person, die den Text geschrieben hat. Das schlecht Gelesene wird anschliessend kolportiert. Eben nur das, was solche Menschen zu verstehen geglaubt haben. Ihrem Sprachverständnis entsprechend rupfen sie dann einzelne Wörter aus dem Zusammenhang, geben einem Relativsatz…
„Wer Ja sagt zum Verhüllungsverbot oder es ablehnt, kann in erster Linie über die Einstellung beim Thema Einwanderung erklärt werden: Wer der Meinung ist, dass Einwander*innen dazu verpflichtet werden sollen, sich der Schweizer Kultur anzupassen, stimmt auch eher der Initiative zu.“ Eine Umfrage zur Abstimmung von 7. März wurde zwischen dem 5. und dem 8. Februar 2021 in den drei Landessprachen auf «blue News» durchgeführt. Insgesamt nahmen Von den 5103 Personen teil. Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ für die Schweizer Bevölkerung, wurden aber mit politischen und soziodemographischen Variablen gewichtet. Die Analysen wurden vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich…
Ich war noch sehr klein, keine drei Jahre alt, als Adolf Hitler eine grosse Veranstaltung bei uns in der Nähe durchführte. Mein Vater, ein hohes Tier in irgend einem Militär – uniformiert waren ja alle Männer -, sollte den Führer an der Veranstaltung willkommen heissen. Als seine Tochter – Söhne waren ihm noch nicht geschenkt worden – durfte ich im Sonntagskleidchen dem hohen Gast einen Blumenstrauss überreichen. Meine Eltern schärften mir ein, meinen rechten – rechten! – Arm auszustrecken und „Heil tler“ zu rufen. Diese Szene probten wir tagelang. Da ich einen kleinen Sprachfehler hatte, gelang es mir nur schwer,…
… eine als negativ empfundene Erfahrung, die zu Resignation führen kann. Es ist bekannt, dass man enttäuscht wird, weil man sich getäuscht hat, also zu hohe Ansprüche gestellt hat. Im weitsten Sinn eine Hoffnung, die man erhoffte, aber nicht erfüllt wurde. Es ereignen sich aber auch tiefe Enttäuschungen ohne hohe Erwartungen. Aus dem täglichen Leben sozusagen. Man stelle sich vor: Man wird auf den Geburtstag eines Freundes, der oftmals mehr Feind als Freund ist, aufmerksam gemacht. Man möchte ihm trotz Zwistigkeiten anlässlich seines Geburtstages für geleistete Dienste danken und ihm eine kleine Freude bereiten. Was würde ihm Freude bereiten? Er…
Seltsam. Da kommt aus dem Solothurnischen ein SVP-Nationalrat, ein gelernter Mechaniker und Motorradenthusiast, und will Frauen aus muslimischen Ländern von ihren Kleidern – er spricht immer von Burkas, obwohl es sich eigentlich um Hidschab, Tschador oder Niqab handelt – befreien. In der Schweiz, so der stramme SVPler, zeige man sein Gesicht. Der sonst bei Themen über die Rechte der Frauen in der Schweiz nicht sehr aufgeschlossene Mann setzt sich dafür ein, dass muslimische Frauen, die sich in der Schweiz bewegen, sich des Schleiers – er nennt diese Kleidungsstücke Säcke – entledigen. Selbstverständlich ist dieser Nationalrat befugt, bei einer genügenden Anzahl…
Der Bestatter entschuldigt sich. Er habe uns einfach vergessen. „Sie wissen schon, wir Bestatter sind völlig überlastet“ und nickt vielsagend. „Einer mit Krebs, Jahrgang 66, zwei mit covid-19, über 70, einen Herzinfarkt, Jahrgang 85, einen Suizid, weiblich, Jahrgang 2001 und noch einige mehr“. Wir nicken betroffen. Er bietet für das lange Warten Kaffee an. Sie stimmt zu, ich nicht. Doch dann stimme auch ich zu. Im Besucherraum füllt die ganze Breite der Kopfwand die Foto einer Waldidylle, mit Bächlein und Felsbrocken. Urnen jeder Grösse und Farbe präsentieren sich in einer Vitrine; ganz kleine Urnen sind auch darunter, für wen sie…
Beat Brechbühl: „Ich will keine Altersgedichte schreiben!“ Ich will keine Altersgedichte schreiben. Davon gibt es genug von alternden DichterInnen. Dass ich alt werde und bin, merk ich jeden Tag, jede Stunde. Mein Altwerden soll nicht mein Thema werden (ist es aber schon lang). Ich will nicht aufschreiben, was ich nicht mehr kann, was ich vergessen habe (habe ich vergessen), was ich nicht mehr schaffe, was ich nicht mehr sehe und höre, was ich nicht kapiere, was ich nicht mehr kenne, was mich schreckweise reduziert (auch wenn ich dies nicht wahrnehmen will). Mein Altern interessiert ausser mich in der Öffentlichkeit…
Hijab, Niqab, Burqa und Chador: Kleidungsvorschriften für muslimische Frauen sind oft vielseitig interpretierbar. Einige muslimische Frauen bedecken sich von Kopf bis Fuss, andere halten sich nicht an spezifische Bekleidungsregeln. Allerdings kennen Nicht-Muslime oft nicht den Unterschied zwischen, beispielsweise dem Niqab und der Burqa. Diese Begriffe werden oft in MassenmedienIn inkorrekt oder synonym verwendet, wenn von „Burkaverboten” gesprochen wird. Das Egerkinger Komitee um den Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann lässt die Schweizer Bevölkerung am 7. März über eine Burka-Verbots-Initiative abstimmen. Unerklärlicherweise gewann dasselbe Komitee 2009 die Volksabstimmung für das Minarett-Verbot. Seit Jahren schon wettert Wobmann gegen Burkas und verwechselt immer Hidschab und…
Die Intruder des Kapitols in Washington waren durchs Band weg Rechte, Rechtsextreme, Neonazis, Antisemiten, Sexisten, Verschwörungtheoretiker und Rassisten, vielleicht auch Mitglieder des Ku-Klux-Klans. Ihre Feindbilder unterscheiden sich nicht von jenen der in der ganzen Welt zunehmenden Zahl von alten und neuen Rechtsextremisten. Nicht weisse Menschen und Nicht-Christen sind ihnen ein Dorn im Auge. Hüben und Drüben bekämpfen sie Menschen mit einer dunklen Haut (dabei ist erwiesen, dass die Hautfarbe eine Klimafrage ist), mit einer anderen Religion, mit einer fremden Kultur und mit Bräuchen jenseits europäischer Prägung. Warum wenden sich so viele Menschen dem rechten Trend zu? Und warum übersehen derart…
Vor, am und nach dem Beginn des sogenannt neuen Jahres bekommt man Wünsche mit dem Substantiv Rutsch und dem Verb rutschen. Während das neue Jahr eingeläutet wird, liegt, sitzt, steht oder tanzt der Mensch hauptsächlich. Er kann auch vom alten ins neue Jahr rennen oder schwimmen, aber rutschen? Duden gibt als Beispiele für rutschen: sich gleitend über eine Fläche hinbewegen auf seinem Platz hin und her rutschen über den gefrorenen Schnee, die vereiste Fahrbahn rutschen der kleine Junge rutscht durchs Zimmer der Teppich rutscht (verschiebt sich) die Kupplung rutscht (fasst nicht) 〈substantiviert:〉 ins Rutschen kommen, geraten die Brille, Hose, der…
