Das Altersleitbild 2021-2031 der Gemeinde Muri b. Bern legt bereits im Vorwort grossen Wert auf die Gesundheitsförderung und Prävention. Es insinuiert, Alter gleich Krankheit und erwähnt mt keinem Wort, dass es in der heutigen Altersstruktur 80 plus viele gesunde, unbehinderte, unabhängige und leistungsfähige Menschen gibt.
Basierend auf Definitionen der Weltgesundheitsorganisation WHO und der Gesundheitsförderung Schweiz ist im Leitbild „Gesundheitsförderung und Prävention“ ein gemeinsames Verständnis für Gesundheit verankert: „Die Gesundheit jedes Menschen ist ein immer neu zu suchendes, lebensgeschichtlich geprägtes Gleichgewicht von körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. Das Umfeld und das eigene Verhalten jedes Einzelnen im Alltag beeinflussen seine Gesundheit, wobei der nachhaltige Umgang mit Umwelt und natürlichen Ressourcen mitbestimmend ist“. „Altersstruktur der Wohnbevölkerung von Muri b. Bern“ zeigt, dass 19% der Bevölkerung bis 19 Jahre alt ist. Der grösste Teil der Bevölkerung (54 %) befindet sich in der
Altersgruppe der 20 – 64-Jährigen. 19% der Bevölkerung ist zwischen 65 und 79 Jahren alt, 6% zwischen 80 und 89 und 2% sind über 90 Jahren alt.
Im Altersleitbild der Gemeinde Muri b. Bern fehlt die intellektuelle Förderung der alten Menschen: der alte Mensch wird auf seine Gesundheit, das heisst, seinen Körper reduziert. Erst auf Seite 9 (von 10) des Altersleitbilds wird auf die „Förderung des digitalen Zugangs und der digitalen Kompetenzen der älteren Bevölkerung, um ihnen die digitale Partizipation zu ermöglichen“ eingegangen. Zudem wird die „Schaffung eines Bildungsmoduls ‚Silver Surfer – Fit im
digitalen Alltag‘ erwähnt, damit ältere Menschen den Umgang mit dem Internet und mehr erlernen“. In Aussicht gestellt werden eine „Regelmässige Durchführung eines Wissenscafé z. Bsp.im Rahmen des Seniorencafés zur Förderung von Intergenerativem Wissenstransfer (Wissensaustausch zwischen den Generationen“) und in „Zusammenarbeit mit Seniorweb resp. Levato.de bzgl. Online-Kurse (Handy, Internet oder Computer) prüfen und Angebot bekannt machen“.
Das Altersleitbild scheint aus der Feder von jungen Menschen zu stammen, da die „Förderung“ des Geistes der älteren Gemeindemitglieder darin besteht, ihren „digitalen Alltag“ meistern zu können. Die Altersleitbild-Verfasser verkennen, dass viele ältere Menschen keinen Zugang zu Handies, Computern und Internet haben und ihn auch nicht wünschen. Jene, die aus dem Berufsleben damit vertraut sind, benötigen keine Hilfe von Seniorenweb u.ä. Völlig abwesend im Altersleitbild ist die Auffrischung bzw. Förderung der geisteswissenschaftlichen Kenntnisse (Literatur, bildende Kunst, Musik, etc.) mittels Vorträgen, Theater-, Konzert- und Ausstellungsbesuchen sowie Lesungen wie auch Veranstaltungen in anderen Sprachen als Deutsch oder Angebote, fremde Sprachen zu lernen (ein Jungbrunnen fürs Gehirn). Gerade für Muri ist das Altersleitbild 2021-2031 ungeeignet. Man müsste es eigentlich wissen: für alte Menschen sind alte Werte wichtig.