30. September 2021 Doris Schöni 0Comment

Dass ein Mensch über Nacht graue oder weisse Haare bekommt, hielt man lange für ein Märchen. Psychischer und körperlicher Stress fördert bekanntlich die Alterung – und er kann, wie nun Forscher um Ya-Chieh Hsu nachweisen, das Depot der Stammzellen in den Haarfollikeln auch direkt angreifen. Herausgefunden hat das die Harvard-Forscherin bei einem Experiment an Mäusen. Die Versuchstiere wurden verschiedenen Arten von körperlichem und seelischem Stress ausgesetzt, woraufhin sich in ihrem Fell kleine Flecken mit weißem Haar bildeten. Bei der Suche nach den Ursachen konnten Hsu und ihr Team zunächst ein paar Hypothesen aussortieren. Autoimmunreaktionen oder das Steroidhormon Cortisol sind entgegen bisheriger Vermutungen nicht verantwortlich, sehr wohl dürfte indes das Stresshormon Noradrenalin an der Entfärbung der Haare beteiligt sein.Wie die Forscher im Fachblatt „Nature“ schreiben, dockt Noradrenalin über spezielle Rezeptoren direkt an den Stammzellen im Haarfollikel an und löst dort eine Massenmigration der Melanozyten aus. Das kann so weit gehen, dass sich die Stammzellen komplett erschöpfen. Ist das passiert, verlieren die Haare ihre Farbe.

Ist man altersmässig bereits angegraut (im übertragenen Sinn), wirken sich psychische Belastungen verheerend aus. Buchstäblich über Nacht altert man um zig Jahre. Man schleppt sich dahin, strauchelt beim Treppengehen, empfindet das tägliche Leben als Plage, ist völlig verunsichert und traut sich nichts mehr zu. Jede geistige und körperliche Anstrengung misslingt. Man lässt Teller fallen, leert Flüssigkeiten aus, schneidet sich in die Finger, Speisen verkohlen im Backofen und die Kraft, eine Glasdose zu öffnen, fehlt plötzlich. In der Zeitung liest man lediglich die Titel und bestenfalls den Lead. Man ist der Konzentration nicht mehr fähig und beendet nichts.

Über Nacht.

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