20. März 2017 Doris Schöni 0Comment

Wenn man für eine jüngere Person seinen Arbeitsplatz räumen muss, ausgebootet, ausgegrenzt, abgetan wird, begegnet man brutal und unerbittlich der Stunde der Realität: Nun bist du plötzlich von einer Minute zur anderen das, was du immer vergessen, das heisst, verdrängt hast: Alt, uralt. Das schwarze Brett, an dem noch vor einigen Wochen – übereinander geschichtet – Aufträge hingen, ist nun leer. Leer ausser einigen Zetteln für Arzt- und Zahnarzttermine. Sie bestimmen nun, wie bei den meisten alten Menschen, deinen Tagesablauf. Wenn man derart abrupt ins Eiswasser gestossen wird, ist guter Rat teuer. Nur Gemeinplätze bleiben. Billiger Trost für Schiffbrüchige, die ohnehin ersaufen. Und urplötzlich meldet sich das Alter: Die Gelenke, die Hüfte, die Zähne, ja selbst ein altes Ganglion verursachen Schmerzen, die man vorher nicht gespürt hat. Vorher, als man noch beansprucht, gebraucht wurde.  

Die Wut unterliegt der Resignation. Die Kraft weicht dem greisenhaften Wimmern. Man möchte Bomben schmeissen und raucht noch eine. Eine und noch eine. Duell. Duellieren ist noch immer der fairste Kampf. Ein Duell mit dem Wicht, der mir das angetan hat, ich würde gewinnen, er ist zwar jünger, aber ich bin schneller. Er unterwirft Pferde, aber die blanke Waffe ist ihm zu leicht. Er würde wild fuchteln und ich sein Fuchteln parieren und ripostieren. Auch wenn ich gewänne, würde sich nichts ändern. Das biologische Alter ist unumstösslich. Alt, uralt. Das Ablaufdatum naht.

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