Stephan Beinl, geboren 1902, war von 1946–53 Oberspielleiter der Oper, danach bis 1958 Direktor am Stadttheater Bern.
Warum mein Vater mit ihm befreundet war, entzieht sich meiner Kenntnis. Zu jener Zeit war es (in bürgerlichen Kreisen) nicht üblich, Protagonisten aus dem Theatermilieu zu seinen Freunden zu zählen. Mein Vater hatte eine grosse Affinität zu Künstlern, was sich vor allem in seinen späten Jahren zeigte, als er in der Altstadt lebte und vornehmlich mit Kunstmalern Kontakt pflegte.
Wir trafen Stephan Beinl beim Zytglogge. Er küsste die Hand meiner Mutter, dann meine, bevor er meinem Vater die Hand reichte. Ich war damals zehn oder elf Jahre alt und wusste, dass ich zu jung (also unverheiratet) für einen Handkuss war. Ich versuchte vergeblich, ein fast hysterisches Kichern zu unterdrücken, obwohl mich meine Mutter bitterböse ansah. Die beiden Männer waren aber derart in ein Gespräch vertieft, dass sie von meinem Lachkrampf verschont blieben.
Wieder zu Hause, ohne über Gebühr getadelt worden sein, fühlte ich mich grossartig. „Küss die Hand …“ zum ersten Mal in meinem Leben.