2. November 2021 Doris Schöni 0Comment

Eines Tages bemerkten Frühaufsteher die sonderbar gefärbte Aare. Unverzüglich benachrichtigten sie Telebärn von dieser Sensation in der Hoffnung auf die hundert Franken, die der Sender jedem Neuigkeitenüberbringer entrichtet.  In der Telebärn-Redaktion herrschte grosse Aufregung, einer der Praktikanten wurde unverzüglich an die Aare geschickt (es herrschte Frost an diesem Morgen), um die Sachlage zu überprüfen. Als er zurückkehrte, hatte er Tränen in den Augen, war er doch ein acharnierter YB-Fan. Die Tränen brachte den Chefredaktor auf die Idee, den Präsidenten des Klubs anzurufen. „Hallo  Fritz“, rief er gellend ins Telefon, „habt ihr die Aare getüpfelt? „Was, warum, nein, keine Ursache, unsere Siege brauchen keinen Weihnachtsschmuck“, antwortete der YB-Boss. „Wer war es dann?“, der Chefredaktor war am Durchdrehen, „was berichten wir denn unseren Zuschauern?“ „Ja“, lachte der YB-Mann, „erfinde doch etwas wie üblich“. Wütend warf der Chefraktor das Handy auf den Boden und beförderte es yb-würdig in eine Ecke.

Die Verantwortliche der News wies er an, eine lange Einstellung der getüpfelten Aare zu bringen und zu spekulieren, die Béliers könnten dem Wasser geschadet haben. Die Sendungsverantwortliche feixte: „Die Béliers gibt es nicht mehr“. Der Telebärn-Chefredaktor brummte, dann müsse sie eben sonst jemanden beschuldigen: „Die IS oder die Talibans oder die Zeugen Jehovas …“, „warum die Zeugen Jehovas, die sind doch nur verbal gewalttätig“, „dann eben die Corona-Geimpften“, „das wäre ja hirnverbrannt“, empörte sich die Angesprochene. „So erkläre, was dir einfach einfällt“. Sie lachte verschmitzt und schmiedete den Plan, die verfärbte Aare als Strafe Bill Gates für Bundesrat Bersets unmoralisches Leben darzustellen.

Gedacht, getan. Diese Meldung löste einen Skandal aus, über den weltweit von Honolulu bis in die Spitzbergen berichtet wurde. Bill Gates drohte mit einer Anzeige, Alain Berset und seine Entourage ebenfalls, der Wassermeister der Aare stürzte sich in den eiskalten Fluss und ging unter. Was keine grosse Rolle spielte, er wäre sowieso entlassen worden. Die Bären im Bärengraben erwachten aus dem Winterschlaf und gingen in der Aare baden. Im Muribad entstiegen sie getüpfelt dem Wasser und waren derart aufgedreht, dass sie den ganzen Glühwein aus dem Winterbeizli austranken und den Buvette-Mitarbeiter mit den Lederhosen kidnappten, weil ihnen das ausgelatschte Material so gut mundete.

Und was dann noch geschah: Bern bekam den Status der Welthauptstadt. Die Bären wurden heilig gesprochen. Die Aare musste ausgepumpt werden. Die Ursache des getüpfelten Wassers war nicht zu eruieren. Telebärn wurde mit sieben Oscars geehrt. Bill Gates erlitt einen genetischen Hirnschlag und Bundesrat Berset freite behende eine neue Künstlerin für Ausflüge ins Muribad-Winterbeizli.

Von wem stammt doch der Aphorismus „se non è vero è ben trovato“? Von Giordano Bruno (1548-1600), einem italienischen Priester, Dichter, Philosophen und Astronomen. Er wurde durch die Inquisition der Ketzerei und  Magie für schuldig befunden und vom Gouverneur von Rom zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

 

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