„Mein“ Chirurg flirtet oder diskutiert lieber über Universitätspolitik als über seine Operationen als Urologe. So hat er sich nie über die Blasen-Entfernung geäussert, aber über das für ihn Beinahe-Wunder, dass ich von einer für ihn – als Mediziner – absolut tödlichen Lungenentzündung genesen bin.
So wurde ich ins kalte Wasser geworfen ohne Informationen – das stimmt nicht, es kamen sogenannte „Stoma-Beraterinnen“ mit Informationen, die mich nicht interessierten – über die Konsequenzen einer abwesenden Blase, doch wirklich musste ich diese Tatsache von Grund auf lernen. Mit der Zeit wunderte und wundere ich mich über den grossen Einsatz der Spitex und die Unmengen von Abfall, den sie von den drei bis vier Besuchen hinterlässt. Ich habe bis heute nicht begriffen, warum es lediglich nur eine Methode zur Stoma-Pflege gibt, nämlich jene mit den Plastiksäckchen, die so oft undicht sind. Nach einer kurzen Internetbefragung gibt es neben den Plastiksäckchen keine anderen Produkte. Wie kann das weltweit sein? Natürlich witterte ich Nepotismus und stellte mir einen weltumspannenden Riesen mit Monopol vor. Was er vielleicht auch ist, vielleicht auch nicht.
Jedenfalls könnten meine Spekulationen auch wirklich sein. Sonderbar ist es wirklich, dass es weltweit nur diese Säckchen gibt. Es könnte natürlich auch sein, dass der Jahresbedarf an Säckchen bescheiden ist. Man müsste weltweit recherchieren, wie gross die Produktion dieser Tüten ist. Und wo sie hergestellt werden. Vielleicht ist die Säckchen-Produktion defizitär. Hinter diese Frage müsste man einen Ökonomen hetzen.
Solche Details beschäftigen „meinen“ Urologen nicht. Der Professor zieht es vor, über Universitätspolitik zu debattieren.