Linke Kreise wollen einen Ballermann-Song verbieten. Die Junge SVP geht in die Gegen-Offensive und verlost Ferien auf Mallorca
von Thomas Renggli, 27.07.2022
„Der Songtext hegt keinen Anspruch auf höhere intellektuelle Weihen:
„Mein Junge, ich hab‘ ein Geheimnis für dich
Was er von mir wollte, wusste ich nicht
Ich sah nur das Grinsen in seinem Gesicht
„Was ich dir sage, glaubst du mir nicht.“
Ich hab‘ ’nen Puff und meine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
Dann war es auch um mich geschehen
Das wollte ich aus der Nähe sehen
Ich ging in den Laden und schon stand sie da
Geile Figur, blondes Haar
Er hat ’nen Puff und seine Puffmama heißt Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
Das Luder Layla, unsre Layla
Die schöne Layla, die geile Layla
Das Luder Layla, unsre Layla
Wir lieben dich, la-la-la-la-la-la-la-Layla
Sie ist schöner, jünger, geiler
Ich hab nen Puff und meine Puffmama heisst Layla! Sie ist schöner, jünger, geiler! La-la-la-la-la-la-la-Layla!»
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, kommerziell gibt es aber keine zwei Meinungen. Die Komposition der deutschen Schlagerbarden DJ Robin und Schürze krallt sich in den Gehörgängen fest und erobert von Mallorca aus die deutschsprachige Welt. Und bekanntlich ist auch die Schweiz keine Insel. Deshalb grüsst «Layla» seit vergangenem Wochenende von Platz 1 der hiesigen Charts.
Damit ist auch die Diskussion um den vermeintlich skandalösen Song bei uns angekommen. In Deutschland auf jeden Fall erheben vor allem linke Kreise den Mahnfinger und schwingen mit der «Sexismus-Keule». Im bayerischen Würzburg zum Beispiel durfte das Lied am Kiliani-Volksfest nicht abgespielt werden. Und auch andere Veranstaltungen setzen den Hit auf den Verbots-Index.
Auf der linken Seite des politischen Spektrums wird damit ein aggressives, rein performatives Vorgehen kritisiert. Von konservativen und rechtsextremen Gruppen wird der Begriff – wie die Ausdrücke politische Korrektheit, Cancel Culture und Social Justice Warrior – mit negativer Konnotation und häufig sarkastisch verwendet, um Linke und ihre Ziele abzuwerten. Die Selbstbeschreibung als woke ist indessen rückläufig und wird zunehmend ersetzt durch versachlichende Beschreibungen, die sich auf soziale Gerechtigkeit und Einfühlungsvermögen beziehen.
Politisch schlägt das Lied ebenfalls hohe Wogen. Während sich Aktivistinnen in den sozialen Netzwerken echauffierten und «Layla» am liebsten auf den Mond schiessen möchten, empören sich bürgerliche Kreise über die «linke Verbotskultur». In der Schweiz trägt die Junge SVP den Kampf «Gegen Verbote. Für die Freiheit. Gegen Woke!» aus – und machte sich explizit für «Layla» stark. So verlost die Jungpartei Ballermann-Ferien im Wert von 600 Franken unter allen Einsendungen eines «Layla»-Videos.
Freuen kann sich darüber nicht nur der Gewinner, sondern vor allem auch das streitbare Gesangsduo. Es belegt auch in Deutschland den Top-Platz in der Hitparade und kann aus erster Hand bestätigen: Gut getimte Verbote beleben das Geschäft“.
Dass sich die junge SVP für diesen geschmacklosen Ballermann-Song einsetzt, widerspiegelt dessen Mentalität, dass aber diese Abgeschmackheit den ersten Platz in der schweizerischen Hitparade einnimmt, erschreckt. Der extrem heisse Sommer erzeugt Extreme: auf der einen Seite gröhlen Primitivlinge unbedarft sexistisch „Layla“, auf der anderen wittern antirassistische Sensibelchen überall kulturelle Aneignungen. La, la, la … .