… muntert mich mein Cousin David aus Haifa auf. Das sind die richtigen Worte. Er ist kaum jünger als ich, aber mit grossem Humor gesegnet. So ist es ihm s’egal, „wie lange und welches Alter ich erreiche, aber Mental nicht beschädigt bin, die Schmerzen hoffe ich mit hilffe von Morfium zu beruhigen, und so lange ich keinem zu last Falle mache ich alles mit. Was nach meinem Tod geschehen wird ist mir auch ganz egal das Schild am Friedhof ist bereitet und 300$ bei Seite gelegt alle meiner Freunde für die Gedächtnis Feier in einer Kneipe mich mit Alkohol in…
Die Vereinigung BoD („Books on Demand“) schreibt einen Kurzgeschichten-Wettbewerb aus. Das Thema (Englisch!) heisst „Love Between the Pages“ (Liebe zwischen den Seiten); das Thema Buch sollte dabei eine zentrale Rolle spielen. Der Protagonist oder die Protagonistin sollte in einer Buchhandlung oder Bibliothek arbeiten. Wichtig ist nur, dass das Thema Buch im Text aufgegriffen wird“. Dieses Thema erregte mein Interesse. In den nächsten Wochen werde ich ja über Zeit zum Schreiben verfügen. Sofort kam mir der Gedanke an Guillaume de Machaut, dessen Dichtungen von 1371 in der Burgerbibliothek Bern verwahrt werden,…
… rückt der Tag X, das heisst, der Zeitpunkt der Operation, näher. Zwar lebe ich noch immer in den Tag hinein, habe aber eine Todesanzeige verfasst, eine emotionale, hochdramatische Anzeige, die angesichts meines Datenchaos ohnehin nicht gefunden werden kann. Und die An.gst wächst. Werde ich die Operation überstehen? Mit welchen Folgen? Die langwierige Wiederherstellung und die Gewöhnung an den künstlichen Blasenausgang. Wird schrecklich bis zum Ende des Lebens. Mein amerikanischer Freund bewundert meinen Mut. Ich höhne: „Mut? Ich habe doch keine andere Wahl“. Ja, ich halte mich wacker. Reisse Witze über mich selbst und diskutiere über Lukas Bärfuss‘ Vokabular. Auch…
Angelegentlich werde ich gefragt, ob ich weiter leben wolle und ob ich Lebensfreude empfände. Ja, eigentlich habe ich noch keine Lust, das Feld zu räumen. Aber Lebensfreude? Ich bin kein freudiger Mensch. Ich bilde mir ein, im „Leben“ noch eine Rolle spielen zu können, auch wenn meine Leserbriefe kein und meine Blogs nur schwache Echos auslösen. Artikel schreiben entspricht meinem Bedürfnis, auch wenn die Themen weniger spannend sind als zuvor. Schreiben, obwohl ich mir meiner Grenzen bewusst bin. Jetzt, bei der Lektüre von Lukas Bärfuss stelle ich fest, dass mein Vokabular im Vergleich zu seinem ärmlich ist. Er benützt und…
Das Requiem (Mehrzahl die Requiems, liturgisch Missa pro defunctis („Messe für die Verstorbenen“), auch Sterbeamt oder Seelenamt, ist in der römisch-katholischen und in der Ostkirche die heilige Messe im Gedenken an Verstorbene. Die liturgische Form der Totenmesse ist das Requiem. Der Begriff bezeichnet sowohl die Liturgie der heiligen Messe bei der Begräbnisfeier der katholischen Kirche als auch kirchenmusikalische Kompositionen für das Totengedenken. Er leitet sich vom Incipit des Introitus Requiem aeternam dona eis, Domine („Ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr“) ab. Gebührt sich ein Requiem für ein simples menschliches Organ? Die Blase, die mir entnommen wird, landet wohl in einem…
Besprechung mit dem Professor, der die ominöse Operation durchführen wird. Er wirkt ernst und besorgt. Und spricht von Risiken. Wegen meiner Lunge und meines Herzens. Er legt mir nahe, die Tage vor der Operation das Rauchen einzuschränken. Ich frage belustigt (?): „Sollte ich meine Todesanzeige entwerfen und meine Abdankungs-Publikumsbeschimpfung verfassen?“ „Nein, nein“, beschwichtigt er. „Machen Sie diese Operation gerne?“, frage ich. Darf man als Patientin eine solche Frage stellen? „Diese Operation wird in Bern lediglich in zwei Spitälern gemacht“, erwidert er meine Frage umgehend. „Sie werden mindestens vier Wochen brauchen, um sich zu erholen“. Ich widerspreche: „Höchstens drei Wochen. Ich…
Hat man den Mut oder besser: die Offenheit, Freunde und Bekannte über seinen prekären Gesundheitszustand zu orientieren, so bekommt man grosse Zuwendung. Wobei, dessen ist man sich bewusst, wird diese Zuwendung nicht unbeschränkt sein. Sobald der Zustand sich verschlechtert, werden einige Bekannte und Freunde sich abwenden, da ihnen die Kraft fehlt, den Niedergang auszuhalten. Sie werden sich schützen. Es ist ein eigentümliches Gefühl, plötzlich im Fokus von Fürsorge und Rücksicht zu stehen. Während man bisher das Leben von beiden Enden abspuhlte, immer vorwärts stürmte, ohne Müdigkeit und Beschwerden zu beachten, wird man sich seiner körperlichen Grenzen bewusst. Grenzen: Die…
Höchstens zweimal pro Jahr schwillt mein Ganglion im linken Handgelenk an. Und es schmerzt höllisch. Das Ganglion wurde einst operiert. Da ich jedoch die kleine Operation wählte, kam die Schwellung wieder. Die einzige Therapie besteht in einer festen Bandage des Gelenks, was noch zu grösserern Schmerzen führt. Obwohl ich nicht besonders schmerzempfindlich bin, leide ich. Jede Bewegung wird zum Martyrium, es gibt keine Handstellung, die peinfrei wäre. Ich stöhne also umher und lasse mein „Uis“, „Aus, Eiiis“, Auauau“ freien Lauf. Das Ganglion hatte ich völlig vergessenen. aber es kommt immer wieder. Da ist es wieder, das Patschhändchen, gespannte Haut, keine…
… sterblich zu sei . Auch jetzt, da ich es erlebe, verdränge ich es. Ich stelle mir nichts vor. Ich bereite mich nicht vor. Ich zähle auf mich, auf meine Natur, meine Konstution, mein Immunsystem. Sie alle haben versagt und dennoch vertraue ich ihnen. Doch, ich stelle mir vor wie der Krebs an mir knabbert. Er rumort in mir, es vibriert in mir, es krabbelt. Keine Schmerzen, in mir wird gearbeitet. Wertvermehrung. Mein Feind ist so aggressiv wie ich. Am liebsten würde ich es laufen lassen, nichts unternehmen, abwarten. Die Prognose ist jedoch miserabel. Die Frist wird auf sechs Monate…
Dieser Ausspruch sei, laut einem deutschen Fernsehsender, die Quintessenz eines „crimes“. Gibt es jedoch etwas Gutes im Bösen? Wenn zuerst etwas Böses geschehen muss, bevor sich daraus etwas Gutes ergibt, ist das per se böse. Wäre das Böse also eine Chance? Das ist doch alles eine Worthülsenspielerei. Gut und Böse, diese alten Widersacher. Seit Jahrtausenden befasst sich die Menschheit damit. Gut und Böse ist ähnlich wie die allgemeine Erklärung der Menschenrrechte. Verschiedenen aufzufassen, je nach Kultur, Geschichte und Geografie eines Landes nicht gleichbedeutend für alle. Lieber eine abgehackte Hand als eine Gefängniszelle. Die Freiheit, die ich meine. Warum ist das…