Dass ein Mensch über Nacht graue oder weisse Haare bekommt, hielt man lange für ein Märchen. Psychischer und körperlicher Stress fördert bekanntlich die Alterung – und er kann, wie nun Forscher um Ya-Chieh Hsu nachweisen, das Depot der Stammzellen in den Haarfollikeln auch direkt angreifen. Herausgefunden hat das die Harvard-Forscherin bei einem Experiment an Mäusen. Die Versuchstiere wurden verschiedenen Arten von körperlichem und seelischem Stress ausgesetzt, woraufhin sich in ihrem Fell kleine Flecken mit weißem Haar bildeten. Bei der Suche nach den Ursachen konnten Hsu und ihr Team zunächst ein paar Hypothesen aussortieren. Autoimmunreaktionen oder das Steroidhormon Cortisol sind entgegen…
Charles De Gaulle könnte seiner Ehefrau Yvonne treu gewesen sein. Valéry René Marie Georges Giscard d’Estaing, François Mitterand und François Hollande waren es nicht. Donald Trump ist ein Wüstling, Bill Clinton vergnügte sich mit einer Praktikantin. Lucy Page Mercer (1891-1948) war die langjährige Geliebte von Präsident Franklin D. Roosevelt, Thomas Jefferson, Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, hielt sich eine schwarze Sklavin, Sally Hemings; John F. Kennedy unterhielt mehrere Affären, darunter auch mit Marilyn Monroe. Und nun, im Jahr 2021, echauffiert sich die biedere Schweiz über einen untreuen Bundesrat, das heisst, typisch Schweiz,vor allem über Steuergelder, die er für seine aus dem Ruder…
wie einige Leser Blogs beurteilen. Sie nehmen jedes Thema, ja jedes Wort für bare Münze. Sie können Fantasie und Wirklichkeit nicht auseinander halten. Sie begreifen nicht, dass Schreibende erfinden, fabulieren, in einem Wortrausch wie besessen nach den (für sie) besten Formulierungen suchen, Worte um der Worte willen gebrauchen, sich für Themen stark machen, die mit ihnen in keiner Beziehung stehen. Misslesern ist es offensichtlich nicht möglich, zu abstrahieren. Sie sind zwar gewiefte Verfasser von amtlichen Schreiben, Dekreten und Statuten, die alle Hand und Fuss haben, doch kein Quentchen von Fantasie aufweisen. Sie sollten sich zubilligen,Texte zu schreiben, in denen sie…
Man könnte auch sagen „ich bin ein Opfer meinerselbst“ oder „ich opfere mich selbst“. Im Klartext bedeutet diese Aussage „ich bin selbst schuld an allem“. Der Drogenesüchtige schiebt also die Schuld an seinem Elend nicht anderen – Eltern, Lehrer, Freunde, Freundinnen – in die Schuhe, er übernimmt die Verantwortung für seine Drogensucht. Im Unterschied zu den Nazis, die nach dem 2. Weltkrieg schrieen, „ich war nie ein Nazi“ oder „ich wurde gezwungen, ein Nazi zu sein“ und selbst beim Nürnberger Prozess wiesen viele Nazigrössen jede Schuld von sich. Nicht einer war fähig zur Aussage „ich bin mein eigenes Opfer, denn…
Augenblicke der Leere. Die Leere oder das Verstummen zu schildern, ist schwierig, es fühlt sich besser an, wenn die Worte nur so sprudeln. Wenn die Worte kleben und stecken, wenn im Gehirn alles zum Stillstand kommt, wenn die Ideen erliegen, könnte man ebenso gut oder schlecht tot sein, oder wünschte, tot zu sein. Man fürchtet, dass die Worte für immer versiegt sind, wähnt, zu verblöden. In solchen Augenblicken versucht man, Luft einzufangen, indem man die Hand bei grosser Geschwindigkeit aus dem Auto dem Fahrtwind entgegenhält, das Handgelenk strauchelt, die Luft entweicht, sie kann nicht bewahrt werden. Luftleere. Stellt sich nun…
Im Februar 2021 habe ich eine kurze Notiz gebloggt für jene allfälligen Leser, die meine Blogs nicht, aber auch gar nicht schätzen. Ich habe ihnen damals empfohlen, die Blogs nicht mehr zu lesen oder ihrem Missfallen ein Gesicht zu geben, also darauf zu antworten. Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Essayist, schrieb: „Feigheit, die Mutter aller Grausamkeit“. Eben, man tuschelt lieber, als Farbe zu bekennen. Einer jedoch mahnte völlig unbedarft, da er nie einen Blog gelesen hat und lesen wird, ich müsse aufhören, Blogs zu schreiben. Ich zensiere meine Antwort, um unnütze Scherereien zu vermeiden. Doch: Irgend ein Strich…
Eine Reporter-Sendung auf TV SRF befasste sich mit den Waldmenschen von Bern. Die drei Männer, die im Bremgartenwald notdürftig leben, sind davon überzeugt, dass sie unter diesen Verhältnissen körperlich und geistig gesunden. Im Sommer ist das Leben leichter. Die Reportage über die Waldmenschen wurde im Sommer realisiert. Sie begleitete die drei nicht mehr jungen Männer, die alle viele Jahre in ihrem Beruf gearbeitet, Geld verdient (einer gab an, es seien über zwei Millionen Franken gewesen), Steuern und AHV bezahlt, also ein bürgerliches Leben samt Wohnung und Gefährtin geführt haben. Und dann plötzlich hatten sie es satt, diese geregelte, immer stressiger…
Die Stammtischler sitzen beim Feierabendbier, viel Feierabendbier und quatschen über Fussball. Alle applaudieren als einer lautstark verkündet: „Und diese verdammten Moslems, die wiederum nicht gesungen haben“. Am Nebentisch schüttelt eine ältere Frau wild ihren Kopf und bemerkt schneidend: „Diese Hymnensingerei ist doch ein alter Zopf, der aus der Zeit der Entstehung von Nationalstaaten stammt. Wenn sie schon singen müssen, so das Chanson von Jacques Brel, „Les bourgeois sont comme des cochons …“. Die Stammtischler verstummen, ihre Blicke verraten Mordlust, aber sie suchen keinen Streit. Fortan quasseln sie über Autos.
Die Sprichwortforschung kennt die Herkunft dieses Sprichworts nicht. Es könnte mit der Trauermusik zu tun haben, die bei Todesfällen vom Turm geblasen wurde, vielleicht auch mit dem Volkslied „Ich schell mein Horn im Jammerton“. Die Trübsal ist ein Leiden, die einen Menschen bedrückt. Es gibt viele Synonyme zu Trübsal: Kreuz, Last, Leid, Qual, Schmerz, Drangsal, Kümmernis, Pein, Weh, Bekümmerung, Jammer, Trauer, Traurigkeit, Betrübnis, Gram, Harm, Herzleid, Herzweh … Warum bläst ein Mensch Trübsal? Weil er einen grossen Verlust erlitten hat sein Leben sich dem Ende zuneigt so vieles falsch angepackt hat seine Zeit vergeudet hat nur bedingt Zugang zu anderen…
Warum gibt es Menschen, die – ungewollt – anders sind als die Mehrheit? Denen es einfach nicht gelingt, ein Leben zu führen wie alle anderen? Zum Beispiel die Nachtmenschen: Das Sprichwort „Morgenstund hat Gold im Mund“ widerspricht ihnen völlig. In „Science“, Dezember 2019, liest man Folgendes: „Schlafverfechter werden argumentieren, dass man unbedingt möglichst früh ins Bett gehen sollte. Wenn Ihnen Ihre innere Uhr aber erst weit nach Mitternacht den Auftrag gibt, ins Bett zu gehen, sind Sie wahrscheinlich eine Eule: ein Mensch, der bis tief in die Nacht hellwach und aktiv ist – ohne jegliche Anzeichen von Müdigkeit. Es ist…