An der Fussball-Europameisterschaft retteten sich die Schweizer mit Ach und Krach in den Achtelsfinal. Dort trafen sie auf Weltmeister und Europavizemeister Frankreich. Für die Fussballwelt war der sichere Sieg der Franzosen vorprogrammiert und auch in Sport-TV-Sendungen vor dem Spiel war dieser Achtelsfinal kaum eine Erwähnung wert. Doch es kam anders. Die Schweizer Fussballer spielten derart gut, als wären ihnen Flügel verliehen worden. Im Penalty-Schiessen, das über Sieg oder Niederlage entschied, schwangen sie obenaus und besiegten die Franzosen. Ein Hexenkessel brach im Bukarester Stadion aus. Die angereisten Schweizer Fans waren völlig aus dem Häuschen. Die französische Equipe schlich sich von dannen…
In einem privilegierten Quartier von Muri zu wohnen, bewahrt nicht vor einer Mäuse-Invasion. Es existieren verschiedene Vermutungen, weshalb gerade in diesem Gebiet eine riesige Mäuseschar Asyl zu erzwingen versucht. Tatsache ist, dass drei nebeneinander liegende Häuser davon betroffen werden. Kleine, grosse, dicke, dünne, junge und alte Mäuse jagen sich, amüsieren sich, kopulieren unentwegt, fressen und scheiden ununterbrochen aus. Sie finden Zugang zu allem, auf welche Art und Weise ist ihr Geheimnis. Ihre Lieblingsspeise ist nicht etwa Speck. Das Sprichwort „Mit Speck fängt man Mäuse“, ist schlicht falsch. Sie sind fast vegetarisch, Wienerli schmecken ihnen, Rindsfilet nicht. Am liebsten machen sie…
Die Wirtsleute tun mir leid. Er, mit sieben Jahren in die Schweiz gekommen, sie, eine Seconda, ein elegantes, reiferes Ehepaar, hat wegen Corona viele Gäste verloren, und an diesem Abend servieren sie gerade vier Nachtessen, etwas Wein, einen Grappa und viel, sehr viel Bier, wie übrigens an den Nachmittagen auch. Der Besitzer hat die Getränke aller Gäste, die mehr als einmal sein Lokal oder seine Terrasse besuchen, genau im Kopf und bringt sie zum Tisch, sobald man aus dem Auto steigt. Er ist ein perfekter Gastgeber, kennt seine einheimischen Besucher genau und klopft Sprüche mit ihnen, man bemerkt doch sofort,…
Meine Freunde und Bekannten wissen nachgerade, dass ich Fussball alles andere als faszinierend finde. Im Augenblick steht diese Auffassung völlig schräg in der euromeisterlichen Landschaft, denn Fussball ist (nicht nur im Augenblick) die wichtigste Hauptsache von Europa. Wie langweilig doch dieser Sport ist! Vor dem eigenen Goal bällelen einige Schweizer „Helden“ hin und her, her und hin, anstatt nach vorne zu stürmen. Ja, rennen können die elf Mannen, auch wenn es ihnen meistens schwer fällt. In der Presse und bei den Fans wird eher über Frisuren als über Goals debattiert, und auch Shaqiris goldener Lamborghini oder ähnlich wird ausführlich erwähnt….
Werden die Zuschauer vom Sender 3+ veräppelt? Die Fortsetzung „Adieu Heimat – Schweizer wandern aus“ zeigt die Schicksale von auswandernden Schweizern, denen Unbillen geschehen, weil sie einfach zu naiv und unvorbereitet in ein ihnen unbekanntes Land übersiedeln. Problem Nummer 1: die Sprache. Wie kann man sich für ein Land entscheiden, dessen Sprache man nicht einmal rudimentär versteht? Ist es nicht typisch schweizerisch, wenn die Mutter des fröhlichen Bäckers aus der Ostschweiz, der in einem Kaff in Kenia eine Musterbäckerei mit Wohnung aufzubauen gedenkt, obwohl ihm der Boden gar nicht gehört, also die Mutter einfach in ihrem Dialekt auf kenianische Verkäufer…
Armind Mohler (1920-2003) war ein Schweizer Publizist. Mit 20 Jahren wurde Mohler in die Schweizer Armee einberufen, desertierte jedoch im Februar 1942 und ging illegal über die deutsche Grenze, um sich der Waffen-SS anzuschliessen. Angeblich als „unzuverlässig“ eingestuft, wurde er kein Kriegsfreiwilliger, sondern studierte einige Monate lang in Berlin Kunstgeschichte. Noch im selben Jahr ging er zurück in die Schweiz. Hier wurde er aufgrund von „illegalem Grenzübertritt, versuchter Wehrkraftschwächung und Dienstversäumnis“ zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Mohler sah sich selbst als Konserativen mit einem offenen Bekenntnis zu den geistigen Grundlagen der Konservativen Revolution aus den 1920er Jahren und deren bekanntesten…
Mittlerweile ist sie 94 Jahre alt geworden. Die Freundin einer verflossenen Zeit. Die Schriftstellerin, die eben ihr letztes (letztes?) Buch herausgegeben hat, eine Biografie mit alten Fotografien, Bildern ihrer Eltern, der früh verstorbenen Mutter und des autoritären, eitlen Vaters „mon père, le vétérinaire“, hoch zu Pferd, des Bruders, zu seiner Zeit der jüngste Physik-Professor der Schweiz und der beiden Schwestern, beide Akademikerinnen. Ihr Gatte, Arzt und Fischer, go kart-Fahrer, Untreue, im bürgerlichen Sinn, von beiden Seiten. Ihrer vier Töchter, heute Grossmütter, wobei jede ein Kapitel über ihre Mutter zur Publikation beigesteuert hat. Ein prall gefülltes Leben. „Nous, les intellectuels“. In…
Was, wer hat was kapiert? Laut einem Bericht im BUND vom 7.Juni würde die Wirtschaft der Region Bern profitieren, wenn sie stärker auf die französische Sprache setzte. Das Forum für die Zweisprachigkeit organisierte eine Umfrage zur Zweisprachigkeit in 170 Unternehmen der Region Bern. Das Fazit dieser Umfrage: Das Französische für diese Unternehmen und Organisationen sei wichtiger als das Englische. Während Jahrzehnten begegnete man – nicht nur im zweisprachigen Kanton Bern – dem Französischen mit Ablehnung, befand die Sprache als schwierig und unnütz. Englisch begann, die Welt zu beherrschen. Die Sprache der virtuellen Welt und der Songs, englische Songs, die am…
…sprach der Obdachlose. Was er wohl damit meinte? Bahnhof: Ein- und Wegfahrten, Ankunft und Abschied. Freude und Leid. Alltag und Sonntag. Rauschen und Rattern. Fremd und vertraut. Menschenmenge und grenzenlose Einsamkeit. Edward Hopper. Männerhüte, heute Caps. Elegant und proletarisch. Caps und Kappen bis zu den Augenbrauen, die Männer-Burka ungeahndet, ungeahndet auch in geschlossenen Räumen, denn sie wissen nicht mehr, was sich ziemt. Knigge? „Was isch daas?“ Gibt es ein Knigge-App? Jacques Brel, Chanson Orly: „Et nom de dieu! C’est triste Orly le dimanche“. Flugplatz und Bahnhof. Als die ersten Eisenbahnen in der Schweiz von der Mitte des 19. Jahrhunderts an…
Das Substantiv „Nachhaltigkeit“ hätte schon lange zum Wort des Jahres erhoben werden müssen, da es sehr häufig angewandt wird, ja, es hat sich zum Lieblingswort der Schweizer gemausert. In einem Radiobericht vom 3. Juni 2021 war die Rede von der finanziell prekären Lage bei der Durchführung von Schullagern. Oft sponsern die Gemeinden diese Lager, allerdings unter der Auflage, dass sich die Schüler im Lager mit der wichtigen Frage der Nachhaltigkeit befassen müssen. Nachhaltigkeit scheint den Schweizer Politikern wichtiger zu sein als die Lesefähigkeit der Schulabgänger, die nur 80 Prozent beträgt. Was ist mit den verbleibenden 20 Prozent? Es ist nachgerade…