Ein in voller Blüte stehendes Sonnenblumenfeld ist ein Augenschmaus. Das satte Gelb ruft sommerliche und ausgelassene Gefühle hervor. Die fleischigen, grünen Blätter mit den weissen Härchen begleiten die Blumen in alle Richtungen. Die Kernen werden langsam braun und glänzen. Die Sonnenblumenfelder zeugen von Prosperität und Gradlinigkeit. Die Blumen stehen akkurat ausgerichtet ähnlich eines Heeres, keine schert aus oder fällt hin. Einige Wochen später sind die Sonnenblumen am Sterben. Ihre Blumen sind zu gross und zu schwer geworden für die nunmehr ausgezehrten Stängel, die aussehen wie menschliche Oberschenkelknochen, die beim Verwesen Bänder, Muskeln, Sehnen, Fett etc. eingebüsst haben. Viele Stängel sind…
Befremdlich: Wenn man zwischen 16.30 und 17.30 in einem Landgasthof etwas trinkt, gibt es viele Besucher, die sich zur selben Zeit an einen Tisch fürs Nachtessen setzen. Nachtessen vor 17 oder 18 Uhr muten sonderbar an. Warum soupieren viele Schweizer derart früh? Weil sie mit den Hühnern zu Bett gehen und mit dem ersten Hahnenschrei wohlgemut aus den Federn hüpfen? Es gibt zwei Schlaftypen, die Eulen und die Lerchen. Im „arbeits-abc“ wird den Eulen empfohlen, sich auf Lerchen umzupolen, da Frühaufsteher im Geschätsleben erfolgreicher seien als Langschläfer. Im Übrigen sind in der Schweiz die Lerchen federführend, da sie in der…
Rauchen ist heutzutage verpönt. Raucher werden gezwungen, sich zu verstecken, also wie zur Jugendzeit im Geheimen zu rauchen. Am wohlesten ist es den Rauchern Zuhause, dort können sie – falls sie alleine wohnen – nach Lust und Laune ihrer Sucht frönen. Es ist eine quere Geschichte. Mit unerbittlichen Nichtraucherinnen nach Luzern mitzufahren, zielorientiert ins KKL zu marschieren: Rauchen ist nicht angezeigt. Die Nichtraucherinnen drängen, so schnell als möglich ihre Plätze im Konzertsaal einzunehmen, obwohl die Vorführung erst in Dreiviertel Stunde beginnt, die Rauchende erbittet sich eine Auszeit vor dem von Jean Nouvel erbauten Kunstwerk. Das Konzerttäschchen ist vollgepfropft, so wird…
Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient (Joseph de Maistre, 1753-1821, französischer Philosoph). Kann man das auch von Hunden – also: Jeder Mensch hat den Hund, den er verdient – sagen? Es ist anzunehmen, dass die Rassenwahl gewisse Menschen entlarvt. Andererseits ist es möglich, dass Hunde, die in einigen Kantonen als gefährlich eingestuft werden, die liebsten, zärtlichsten und unaggressivsten Tiere sind. Sind Gene oder Erziehung für das Wesen des Hundes entscheidend? Hundeschulen sind bei der Erziehung des ersten Hundes sehr lehrreich. Sollten weitere Hunde folgen, kann man getrost auf sie verzichten. Wenn Hundebesitzer von ihren Hunden erzählen, ist das…
Das letzte Kätzchen ist hochbetagt gestorben, wurde zu Grabe getragen und beweint. Wenige Tage danach eroberte eine winzige Maus – oder waren es mehrere? – die Liegenschaft. Am Abend während des Nachtessens im Garten tauchte das Mäuschen plötzlich auf, wie ein Schatten rannte es geschäftig zwischen den Pflanzentöpfen hin und her, verschwand, tauchte wieder auf und frass die am Boden liegenden Brosamen. Man begann, es mit Brotstückchen, Käseresten, Fleischmöckchen und anderem mehr zu füttern. Die Maus war hungrig und schleppte alle zugeworfenen Häppchen irgendwo in Sicherheit. Die Maus richtete sich im Maleratelier ein. Einige der vom Maler gehorteten Toblerone-Schoggis knabberte…
Schattenkopie? Darunter kann man vieles verstehen. Vielleicht einen Doppelschatten? Einen Schatten des Schattens? Oder gar einen Zwillingsschatten? Laut Wikipedia ist der Schatten die unbeleuchtete Fläche eines Gegenstands, die mittels einer Lichtquelle erzeugte Projektion eines Gegenstands auf weiteren Gegenständen. allgemeiner der gesamte unbeleuchtete Raum hinter einem beleuchteten Körper – dieser Raum erstreckt sich in den Grenzen der abgeschatteten Seite bis zum Schattenwurf. Schatten ist in den mythologischen Vorstellungen vieler Kulturen ein Begriff für das Spiegelbild der Seele für das „zweite Ich“ des Menschen, für dessen Doppelgänger oder Ebenbild, das meist in einem jenseitigen „Reich der Schatten“ angesiedelt und mit Dunkelheit, Nacht…
Sitzen zwei Frauen unterschiedlichen Alters auf einer sonnigen Terrasse einer Voralpen-Gaststätte. Würzige Luft. Kaum Gäste. Und keine kreischenden Kinder. Die beiden Frauen am Nebentisch tönen selbstsicher, das heisst, sie sind gut vernehmbar. Es ist ein angeregtes Gespräch. Ein angeregtes Gespräch übers Putzen. Die eine putzt das, die andere jenes. Sie putzen in der Vergangenheit, in der Gegenwart, in der Zukunft und in der Zukunft der Zukunft. „Ja und weisst du, dieser Schmutz“, die andere pflichtet ihr bei „dieser Schmutz“. Dann kommt die Rede auf Frau Sowieso, die zu wenig putzt. Sie sei sich zum Putzen zu schade, diese blöde, eingebildete…