28. Juli 2018 Doris Schöni

Männiglich hat mitgefiebert an der Fussball-WM dieses Jahres. Die Schweizer Mannschaft wurde bei ihrem Einzug in den Achtelsfinal bejubelt. Doch dort kam das Ende für die Schweizer, sie verloren gegen Schweden und schieden aus. In den Medien folgten lange Erklärungen, die das Scheitern der Schweizer Mannschaft zu relativieren versuchten. Misserfolge können zu Erfolgen umgeschrieben werden. Oder etwa umgekehrt? Dieser Tage wurde bekannt, dass die Schweizer Degenfechter zum ersten Mal überhaupt Mannschafts-Weltmeister geworden sind. Diese Mannschaft war zusammengesetzt aus zwei älteren, sehr erfahrenen Fechtern und zwei jungen Sportlern, von denen der eine zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnahm. Die Schweizer…

24. Juli 2018 Doris Schöni

In der Gemeinde Muri b. Bern griff ein Rottweiler ein Kind an und verletzte es beträchtlich. Der Hund wurde sofort getötet. Die „Lokal-Nachrichten von Muri, Gümligen und Allmendingen“ berichtet in der neuesten Ausgabe über diesen bedauerlichen Zwischenfall, der offenbar schweizweit Aufsehen erregte. Es ist nicht bekannt, ob sich das Kind hundegerecht verhielt. Als Besitzerin eines äusserst friedlichen Border Collies begegnen mir oft Kinder, die – meist zusammen mit ihren Eltern – völlig panisch auf Hunde jeglicher Rassen reagieren. Gekreische der Kinder und dumpfe Drohungen der Eltern können Hunde, falls sie charakterlich nicht gefestigt und unsicher sind, zu Angriffen provozieren. Man…

18. Juli 2018 Doris Schöni

Man wähnt sich bei Spitalaufenthalten in der guten, alten Swissair. Je nach Klasse wurde man beschenkt oder eben nicht. Seitdem Berns Spitäler von Ökonomen geführt werden, bekommen die Patienten, pardon Klienten, wohl auch klassenabhängig Geschenke. Privatpatienten werden mit Salz- und Pfeffermühlen bedacht, Halbprivaten gibt man zum Abschied eine grosse Züpfe mit einem Glas Honig mit auf den Weg. Die Klienten der Allgemeinen Klasse gehen wohl leer aus. Das erinnert an eine Klinik irgendwo in den Bergen: Privatpatienten verfügen kostenlos über einen Internetanschluss. Die allgemein Versicherten müssen für denselben Anschluss bezahlen. Hirnrissig: Jene, die mehr Geld haben, bekommen eine Dienstleistung gratis,…

13. Juli 2018 Doris Schöni

Ist man deprimiert, kommt man bei 3+ auf andere Gedanken. Die Sendung „Bauer ledig sucht …“ ist geeignet, sich abzulenken. Einige Bauern hatten die Qual der Wahl: Sie mussten sich unter zwei bis drei Frauen entscheiden, welche die Richtige für die Hofwoche sein könnte. Sie rangen hart und versuchten, die Frauen auszuforschen. Diese zeigten sich von ihren besten Seiten, waren willig, auf dem Hof mitzuhelfen, die müden Bauern nach ihrer anstrengenden Arbeit aufzulockern mit einem „schönen“ Essen, Kuscheln auf dem Sofa, einem erholenden Spaziergang und so weiter. Die Qual der Wahl wurde umso schwieriger. Den meisten Bauern gelang es, sich…

12. Juli 2018 Doris Schöni

In einem Gartenrestaurant in der Umgebung von Bern sitzt sich ein nicht mehr ganz taufrisches Paar gegenüber und jeder liest in einem Teil des Blicks. Er trinkt seine Biere direkt aus der Flasche, sie leert Ballon um Ballon mit Weisswein. Sie sprechen nicht, jeder ist in die Lektüre vertieft. Nach dem neuerlichen Bestellen tauschen sie die Blickteile. Schweigen, Trinken, Lesen. Sie hat sehr kurz geschnittenes, blond gefärbtes Haar. Er ist kahl, aber beschnauzt. Sie trägt weisse Jeans, er die in diesem Jahr von allen Bernern welchen Alters auch immer getragenen Bermudas, dazu die in diesem Land für Männer obligaten Socken…

9. Juli 2018 Doris Schöni

Die NZZ am Sonntag vom 8. Juli 2018 berichtet, dass Bibliotheken obsolet werden (oder bereits geworden sind). Sie werden von den elektronischen Medien ersetzt. Bedenkt man, dass es Bibliotheken seit fast 2000 Jahre v. Chr. gibt, so ist man entsetzt, dass sie innerhalb von wenigen Jahren ein so brutales Ende finden. Wikipedia skiziert die Geschichte der Bibliotheken: Bereits die alten Ägypter besassen grosse Büchersammlungen, aus denen die Papyrusrollen bekannt sind, welche auf bis zu 1866 v. Chr. datiert werden. Sogenannte „Lebenshäuser“ waren auf die Vervielfältigung und Aufbewahrung wissenschaftlicher und religiöser Werke spezialisiert. Auch die in den Ruinenstädten von Assyrien und…

8. Juli 2018 Doris Schöni

In England stammt der Ausdruck aus der Zeit der adeligen Damen, die sich ihr Gesicht schminkten. Diese Schminke, die durch das Sitzen am Kaminfeuer aufgeweicht wurde, musste mehrmals täglich erneuert werden, weil die Damen „ihr Gesicht verloren“. Das Gesicht zu verlieren bedeutet, den Respekt, die Geltung, das Ansehen zu verlieren, sich blosszustellen. Anfangs des 20. Jahrhunderts hatte der Begriff noch eine andere Bewandtnis, nämlich sein Gesicht zu verlieren bedeutete, nicht mehr sehen können, blind werden. Man konnte auch etwas aus dem Gesicht verlieren (aus den Augen verlieren, also nicht mehr sehen). Diese alten Wendungen haben mit der heutigen Redensart nichts…

2. Juli 2018 Doris Schöni

Die unzähligen (euphemistisch!) Leser dieses Blogs kritisieren ihn als negativ, pessimistisch und nihilistisch. Das stimmt. Aber was gibt es denn noch sonst zu schreiben heutzutage? Wünscht Ihr etwa die Geschichte vom „Pressboy“? Er nennt sich „Pressboy“. Eine seiner selbsterwählten Tätigkeiten besteht darin, lose gepackte Kehrichtsäcke zu pressen, um mehr Inhalt hinein zu bekommen. Drei Kehrichtsäcke presst er zu einem zusammen. Mit ganzer Kraft und ganzem Gewicht drückt er, der „Pressboy“, den Kehricht zu einem Häufchen und spart dadurch etliche Gebührenmarken. Er glaubt,  eine Nischentätigkeit erfunden zu haben. Bis zum Tag als ein „Otto’s“ Katalog ins Haus flattert. Auf Seite 5…