Es ist zum Auswachsen und hier würden Dutzende Adjektive nicht reichen, um die öde, fade, flache und unausstehliche Situation zu beschreiben. Hat man seinen Job verloren, verliert man auch sich selbst. Hat man seinen Job verloren, fühlt man sich überflüssig. Hat man seinen Job verloren, gehen die Tage sinnlos vorüber. Elan weg, Freude weg, Erwartungen weg, Interessen weg, Enthusiasmus weg, Tatkraft weg. Man entwickelt oder besser: degradiert zur Molluske. Zieht den Kopf ein, wenn man auf der Strasse einem begegnet, den man von „vorher“ kennt. Ist erstaunt, wenn dieser einen beim Namen nennt. Dieser huscht schnell vorbei, so dass man…
Wer gibt denn heute zu, sich bei Fussball-Spielen zu langweilen? Jeder und jede weiss Bescheid, kennt sich aus in den Regeln, schimpft auf den Schiedsrichter, im Volksmund liebevoll „Schiri“ genannt, und kennt die Transfersummen der Spieler. Es gibt bestimmt Bücher, die sich eingehend mit der Faszination Fussball auseinandergesetzt haben, aber ist das Phänomen damit enträtselt worden? Viele Menschen können sich mit Fussball identifizieren. Wer hat schon nicht als Kind einen Ball gegen die Hausmauer oder das Garagentor geschmettert? Bei der Faszination spielt sicherlich auch der Faktor der Idolisierung eine grosse Rolle. Menschen lieben, ja oftmals brauchen Idole. Auf sie übertragen…
Unscheinbar in einem Wohnquartier von Ostermundigen gelegen, ist das Restaurant „Schmitte“ schon lange kein Gastro-Geheimtipp mehr, beträgt die Reservationsfrist doch mindestens drei Monate. Die „Schmitte“ wurde belassen, wie sie war, nämlich eine Schmiede. Werkzeuge und unbehauene Wände erinnern an das Handwerk, das dereinst dort blühte. Mit einem Minimum an Tischen garantiert das Lokal eine gewisse Intimität zwischen den Gästen. Der Höhepunkt des Restaurants besteht in der Kulinarik. Das Besitzerehepaar Irina und Jürg Schori teilt die Arbeit unter sich auf: Die Wirtin bedient in einer sehr charmanten, persönlichen Art die Gäste, kümmert sich diskret um sie und scheint für die blitzende…
Warum verhindert man – die Arbeitgeber – Menschen jenseits der 70 zu arbeiten? Sind sie gottergeben verdammt, Enkel zu hüten, zu lismen, zu singen, zu beten, zu jassen, Gesundheits-, Volksmusik- und Heimatsendungen zu beglotzen und dabei ein- oder zu entschlafen, verdammt, sich nicht zu wehren gegen Klischees, Vorurteile, schematische Einordnungen und abfällige Bemerkungen? Absagen. Absagen. Absagen. Bis 70 höchstens. Als ob es ein absolutes Alter gäbe! Es gibt demente 40-Jährige und tatterige 50-Jährige, die jüngeren Leute leiden meist unter sogenannten Burnouts oder Allergien, sind erschöpft, missleidig, kränklich – wer leidet denn nicht unter Rücken- und Hüftleiden, geschweige denn unter Schlotterknien…
Seltsam, von der Altersarmut eingeholt zu werden. Vierzig Jahre hat man mit einem nicht berauschenden Verdienst, da man zu „vornehm“ war, nach Gehaltserhöhungen zu bitten, relativ komfortabel, unverheiratet, lediglich eine Zeitlang als Konkubine, ohne Unterstützung eines Ehemannes, wie dies zu ihrer Generation die Regel war, gelebt. Dann fiel unvorbereitet eine Nebenbeschäftigung weg, die während vierzehn Jahren nach der Pensionierung für ein recht unbekümmertes Auskommen sorgte. Man wird sich gewahr, dass man über seine Verhältnisse gelebt, es also versäumt hat, etwas auf die Seite zu legen. Von der Altersarmut eingeholt zu werden, scheint vorerst unwahrscheinlich. Doch plötzlich wird die Unwahrscheinlichkeit Realität….